Keine Beruhigung
Devisen- und Anleihemärkte weiter im Fieber

An den Devisen- und Rentenmärkten steigt das Fieber. Der Dollar hat im Verhältnis zum Yen ein Rekordtief erreicht. Die Renditen italienischer und spanischer Anleihen fielen. Die EZB kauft offenbar erneut Papiere auf.
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FrankfurtAn den internationalen Devisen- und Anleihemärkten wird nicht mit einem Abflauen der Nervosität gerechnet. „Der Markt wird weiter hin- und herspringen, bis wir eine Antwort der Politiker auf die Probleme bekommen“, sagte Lloyds-Rentenstratege Achilleas Georgolopoulos am Donnerstag. Es reiche nicht, die bisherigen Beschlüsse für den EU-Rettungsfonds EFSF umzusetzen, da die Politiker damit bereits den Ereignissen hinterhergehechelt seien. „Die Politik muss einen Schritt weitergehen, denn der Markt hat sich auf der Gegenseite schon in Stellung gebracht.“

Im Mittelpunkt des Interesses stand erneut Frankreich. In den vergangenen Tagen hatten Spekulationen um eine Herabstufung der Bonität der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone sowie Gerüchte um Zahlungsschwierigkeiten französischer Banken für Unruhe gesorgt. Die Risiko-Aufschläge (Spreads) für zehnjährige französische Staatstitel im Vergleich zu den entsprechenden Bundespapieren gingen am Donnerstag leicht auf 84,6 Basispunkte zurück.

„Sollte Frankreich sein AAA-Rating verlieren, wären sämtliche Aufstockungsversuche des EFSF völlig sinnlos“, betonten die Analysten der Commerzbank in ihrem Marktkommentar. „Das Kreditvolumen bestimmt sich nämlich praktisch durch die Summe der Garantien von „AAA'-Ländern. Ohne Frankreich wäre der EFSF damit nahezu handlungsunfähig, solange er seine Anleihen mit einem „AAA'-Rating versehen will.“

Die Renditen der italienischen und spanischen Staatsanleihen fielen ebenfalls und pendelten um die Marke von fünf Prozent. „Die Europäische Zentralbank kauft diese Papiere wieder auf, aber nur vereinzelt“, sagte ein Händler. Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf 2,227 Prozent. Der Bund-Future schwankte in einer Handelsspanne von rund 80 Ticks und notierte am Mittag sieben Ticks im Minus bei 134,03 Punkten.

Flucht in den Yen hält an - Yuan auf Rekordhoch

Bei den Devisen hielt die Flucht in den als sicher geltenden Yen an. Der Dollar fiel auf ein neues Rekordtief von 76,29 Yen, um unmittelbar darauf binnen Minuten auf knapp 77 Yen hochzuschießen. Dies nährte Spekulationen, dass die Bank von Japan erneut eingegriffen habe. Börsianern zufolge gab es aber keine Hinweise hierauf.

Der chinesische Yuan markierte ebenfalls eine neue Bestmarke zur US-Valuta. Beim Franken zeigte der Kampf der Schweizer Nationalbank gegen die Aufwertung der Währung offenbar Wirkung. Der Dollar legte auf 0,7408 Franken und lag damit rund vier Rappen über seinem kürzlich markierten Rekordtief. Der Euro gab seine anfänglichen Verluste im Tagesverlauf wieder ab und notierte mit 1,4164 Dollar auf den Niveau des New Yorker Vortagesschlusses.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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