Knifflige Anleiheauktion
Spanien steht vor einer harten Prüfung

Die Ratingagentur Moody's droht Madrid erneut mit einer Herabstufung. Für Spanien kommt die Drohung zur Unzeit, denn heute will das Land lang laufende Staatsanleihen versteigern. Experten erwarten die schwierigste Auktion in diesem Jahr. Und im kommenden Jahr wächst der Refinanzierungsstress noch an.
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FRANKFURT. Spanien steht heute ein neuer wichtiger Test am Anleihemarkt bevor. Madrid will sich kurz vor Jahresende zwischen zwei und drei Mrd. Euro über Anleihen besorgen, die erst in zehn und 15 Jahren fällig werden. „Das dürfte die schwierigste Auktion für Spanien in diesem Jahr werden“, fürchtet David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank.

Ein Grund dafür ist, dass die Ratingagentur Moody's gestern Spaniens Bonitätsnote auf die Prüfliste für eine Herabstufung setzte. Damit ist wahrscheinlich, dass Spanien in einigen Wochen das Rating „Aa1“ – die zweitbeste Bonitätsnote, die Moody's vergibt – verlieren wird. Noch bewertet Moody's die Kreditwürdigkeit Spaniens besser als Standard & Poor's.

Jetzt sehen die Experten von Moody's für Spanien aber „Refinanzierungsstress“ im kommenden Jahr, in dem allein die Zentralregierung 170 Mrd. Euro von den Investoren an den Märkten braucht. Sorgen macht der Agentur auch der Finanzbedarf der spanischen Regionen über 30 Mrd. Euro. Zusätzliche Belastungen für den Haushalt könne es zudem bei einem höheren Rekapitalisierungsbedarf spanischer Banken geben.

Neue Anleihen werden teuer

Gleichzeitig zweifelt Moody's daran, dass die Regierung die angekündigten Sparreformen umsetzen kann. Spaniens Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado sieht das naturgemäß anders. „Wir sind schon dabei die Reformen umzusetzen“, sagte sie in Madrid. Dennoch forderte sie eine Aufstockung des Euro-Rettungsschirms. Die Märkte sind skeptisch: Die sich gegenläufig zu den Kursen entwickelnden Renditen spanischer Anleihen sind in den vergangenen zwei Monaten deutlich von knapp vier auf über fünfeinhalb Prozent nach oben geschnellt und haben damit Rekordwerte im Euro-Zeitalter erreicht.

Damit ist jetzt schon sicher, dass die neuen Anleihen für Spanien teuer werden. Analysten wie Glenn Marci von der DZ Bank gehen zudem davon aus, dass Spanien nur weniger als die als Obergrenze angekündigten drei Mrd. Euro bei den Investoren einsammeln wird.

Die schon lange angekündigte heutige Spanien-Auktion galt dabei schon vor der Moody's-Aktion als problematisch. „Viele Investoren sind inzwischen mit ihren Jahresabschlüssen beschäftigt und haben schon deshalb nicht mehr so viel Interesse an neuen Bonds“, meint Schnautz von der Commerzbank. Dazu beginnt heute das Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs, bei dem darüber diskutiert wird, wie die Euro-Krisenländer dauerhaft durch die Gemeinschaft gestützt werden können.

Schlechtes Timing von Moody's

Das Timing von Moody's, negative Nachrichten einen Tag vor einer angekündigten Anleiheplatzierung, bezeichnet Schnautz als „unglücklich“. Dabei hat gerade Moody's schon öfter die Ratings von Euro-Krisenstaaten einen Tag vor Anleiheemissionen auf Prüflisten gesetzt oder herabgestuft. Vor einem Jahr passierte dies Griechenland, Ende Juni Spanien und Mitte Juli Portugal. Auf Anfrage des Handelsblatts dazu antwortete Moody's gestern lediglich, man entscheide anhand fundamentaler Daten.

Als sicher gilt indes unter Experten, dass der Ratingstress für die europäischen Länder noch nicht vorüber ist. „In Spanien, Portugal und Irland werden wir noch weitere Herabstufungen sehen“, meint Padhraic Garvey von der niederländischen Großbank ING.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • @Kommt ihr auch mal auf die idee zu Frgen wie es der ausradierten mittelschicht in Deutschland so geht,oder dnkt ihr wir haben so locker leicht und fröhlich die billionen so rumliegen ? Was deutschlands öffentlichkeit hat sind Schulden nicht zu knapp. Nun gehts über in eine Transfergesellschaft,die wir mit neueun Sculden finanzieren,weil es gibt doch andere Alternativen, wie uns so eingebleut wird.Die Deutsche Oberschicht hat wirklich viel Kohle und die denken nicht im Traum daran von Egoist auf Europäer umzuschalten im Gegenteil wie zocken wir weiter ab.
    Genug hat der buer auf den Wagen, niemals der börsianer.Wir alle in der EU wurden von vorne bis hinten belogen und betrogen.und um das Kraut fett zu machen steht da noch ne Derivatebombe vor der Tür und fordert einlass damit der Wechsel eingelöst werden nicht kann,nein er muss.

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