Kolumne Nachgerechnet
Wenig Hoffnung für Solar-Millennium-Anleger

Bei dem insolventen Solarkraftwerkshersteller sind Hunderte Millionen Euro in einer komplexen Unternehmensgruppe versandet. Sparer dürften nur einen geringen Teil ihres Einsatzes wiedersehen.
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Nun ist es also passiert. Der Solarkrafthersteller Solar Millennium ist pleite. Und schon sind Anwälte und Interessengemeinschaften auf dem Plan, bei denen sich die 30 000 Anleger melden können, die Anleihen oder Aktien des Unternehmens gezeichnet haben. Doch Sparer sollten dem velorenen Geld jetzt nicht noch größere Summen hinterherwerfen. Denn ob bei Solar Millennium noch viel zu holen ist, ist fraglich.

Solar Millennium hatte ja eine Spitzenposition in der Solarthermie, einer Technologie, die es erlaubt, Sonnenenergie zu speichern und damit auch den Grundbedarf einer Kommune an Strom zu decken. Nachdem ein paar kleinere Kraftwerke gebaut waren, setzte Solar Millennium zum Sprung in die USA an. Dort wollte das Solarunternehmen ein riesiges Kraftwerk bauen und ist gescheitert. Photovoltaik aus Asien ist billiger.

Knapp 230 Millionen Euro hatte Solar Millennium bereits in Form von Unternehmensanleihen von deutschen Privatanlegern eingesammelt, laut Prospekt sollte das Geld überwiegend in das Riesenkraftwerk in den USA fließen. Wir hatten vor der Zeichnung gewarnt. Jetzt ist ein vorläufiger Insolvenzverwalter am Werk.

Es gibt Fragen über Fragen. Wie viel ist von den 230 Millionen Euro in den USA bereits für Planung und Genehmigungsverfahren des nun abgeblasenen Solarthermie-Werkes Blythe drauf gegangen, wie viel ist an andere Tochterunternehmen weitergereicht worden? Das Anlegergeld war nicht zweckgebunden. Auf rund 60 Firmen ist der vorläufige Insolvenzverwalter Volker Böhm in der Gruppe gestoßen, Flagsol, CSP Solutions Consult, Solar Trust of America sind die bekannteren, dazu kommen Kooperationen, Niederlassungen, vielleicht auch Briefkastenfirmen.

Bei der Technologietochter Flagsol war Solar Millennium eine Partnerschaft mit dem deutschen Anlagenbauer Ferrostaal eingegangen. Sind die Töchter jetzt noch etwas wert?

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Vergebliche Suche nach Geld

Kommentare zu " Kolumne Nachgerechnet: Wenig Hoffnung für Solar-Millennium-Anleger"

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  • @PRhodan: Ihre Kritik geht etwas an er Realität vorbei, was vielschichtig Ihre Fachfremde bzgl. dieser Thematik aufzeigt. Nicht nur, dass die beworbenen Zinssätze von ca. 6 % bei Unternehmensanleihen markttypisch sind, sondern auch, dass es sich nicht Genussscheine, sondern Genussrechte beworben wurden. Zu behaupten, dass ein Finanzdienstleister telefonisch Druck machen würde, dient vermutlich lediglich dem Zweck Wettbewerber in der Öffentlichkeit schlecht da stehen zu lassen. Vermutlich in Ermangelung eigener Vorteile, die angepriesen werden könnten. Denn wie Ihnen sicherlich bekannt ist, kann in Deutschland telefonischer Service ausschließlich auf Anfrage des Kunden erfolgen. Zusammengefasst haben Sie mit Ihrem Beitrag vielmehr Auskunft über Ihre vermeintliche Seriösität gegeben, als über Unternehmen, Anlageformen und Finanzmarkt, welche sich Ihnen augenscheinlich nicht erschlossen hat..

  • Gier frisst Hirn! Ich habe Kunden frühzeitig vor den Anleihen und Genussscheinen mit den gegenüber vergleichbaren Anlagen utopisch hohen Renditeversprechungen gewarnt. Einige wurden im Wochenabstand vonn Callcentern angerufen, die die hohen Renditen dieser Papiere anpriesen und richtig Druck machten. Da war für mich klar, dass der Firma das Wasser (und nicht die Sonne) wohl bis zum Hals steht.

  • - "Bei dem insolventen Solarkraftwerkshersteller sind Hunderte Millionen Euro in einer komplexen Unternehmensgruppe versandet."
    Das Unternehmen ist "insolvent" bevor überhaupt ein Verfahren eröffnet.
    "Hunderte Millionen...versandet" bevor der vorläufige Insolvenzverwalter sein Ergebnis zur Lage mitgeteilt hat.
    "Wir hatten vor einer Zeichnung gewarnt" ohne zu wissen warum.

    Das der Fachkräftemangel nicht vor Hochglanzmagazinen halt macht ist klar. Wie auch? Problematisch wird das aber, wenn Medien aufhören zu informieren und anfangen zu werten.

    Mag man über die Unsicherheiten in den juristischen Begrifflichkeiten und den damit verbundenen Mißverständnisse noch ein Auge zudrücken. Insolvenzrecht ist ein Betätigunsfeld von Juristen.
    Sich im Nachhinein aber damit "zu brüsten" vor einer Anlage gewarnt zu haben, wäre allenfalls akzeptabel, wenn sich genau das Risiko vor dem gewarnt wurde tatsächlich auch realisiert hätte. Auch wenn das dann dennoch ein wenig wie Hohn gegenüber den Investoren klingt. Gerade wenn die "Warnung" derart wenig substantiiert und pauschal vorgetragen wurde. Manchmal empfiehlt es sich zur Bewertung einer spezifischen Anlage die kostenlos erhältlichen Emissionsprospekte und Informationsservices zu nutzen, bevor man sich eine Meinung bildet.

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