Kolumne Nachgerechnet
Wenn Schuldverschreibungen zur heißen Ware werden

Der Kraftwerksbauer Solar Millennium schockt Anleger mit einem Strategiewechsel und hohen Verlusten. Trotzdem will er ihr Geld. Mit Schuldverschreibungen sollen sich Investoren fünf Jahre binden. Das Risiko ist immens.
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„In den USA sind die Autos größer und die Wolkenkratzer höher", wirbt der Solarkraftwerkshersteller Solar Millenium AG im Unternehmensprospekt um das Geld der Anleger. Sparer können danach zum Festzins von sechs Prozent eine Unternehmensanleihe zeichnen, die vorrangig zur Finanzierung des nach Unternehmensangaben größten Solarkraftwerks der Welt im kalifornischen Blythe dienen soll.

In neue Dimensionen wollte der Mittelständler aus Erlangen in Amerika vorstoßen. Doch nach den jüngsten Nachrichten müssen Anleger fürchten, dass sich Solar Millenium dort vergaloppiert hat. Das Geld der Sparer aber ist fest an das Schicksal von Solar Millenium gebunden. Die Anleihe ist vorerst nicht handelbar.

Bis jetzt glänzte Solar Millenium vor allem mit dem Bau solarthermischer Anlagen. Sonnenlicht wird dort in Wärme ungewandelt, die Energie kann entsprechend gut gespeichert werden. Anders als photovoltaische Anlagen eignen sich solche solarthermischen Anlagen als vollwertige Kraftwerke, die den gesamten Strombedarf einer Stadt abdecken, nicht nur Spitzenlasten.

Mit der tollen Technik konnten die Deutschen wohl auch in den USA punkten. Sie erhielten den Zuschlag für Blythe, dazu noch staatliche Kreditgarantien über gut zwei Milliarden Dollar. Doch das Geschäft mit der umweltfreundlichen Energiegewinnung läuft in Amerika anders als in Europa. Spanien etwa, wo Solar Millenium bis jetzt die meisten Kraftwerke gebaut hat, garantiert feste Abnahmepreise für den Strom. Die ansehnlichen und steten Einnahmen locken Energieversorger oder Fonds als Käufer für das von Solar Millenium gebaute Kraftwerke. In den USA aber sind die Strompreise Verhandlungssache. Weil die Konkurrenztechnologie Photovoltaik inzwischen immer billiger geworden ist, gelang es den Erlangern wohl nicht, mit Stromabnehmern angemessene Preise auszuhandeln.

Die schockierende Nachricht kam Ende August: Solar Millenium schwenkt in den USA auf die billigere Photovoltaik um. Teure Vorleistungen und Genehmigungen, vieles dürfte dort nun obsolet geworden sein. Auch die Finanzierung ist nun ungewiss. Die staatlichen Garantien galten nur für Solarthermie. Der Kurs der Aktie rauschte in den Keller, eine frühere Anleihe, die inzwischen handelbar geworden ist, notiert nun mit einem Abschlag von zehn Prozent.

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  • Sie haben vollkommen Recht: Diese Anlage ist mit erheblichen Risiken verbunden. Aber solange Solar Millenium in seriösen Medien wie das Handelsblatt an prominenter Stelle wirbt, wird es wohl immer "Dumme" geben.Es gibt wie immer zwei Seiten der Medaille oder ?

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