Kommentar
Eine Wahl zwischen Pest und Cholera

Es klingt paradox: Staaten sind gnadenlos überschuldet. Trotzdem kann es den Anlegern nicht schnell genug gehen, diesen Staaten Geld zu leihen. Und das, obwohl sie dafür nur mickrige Rendite bekommen. Warum nur?
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Während sich die Aktienmärkte im freien Fall befinden, erklimmt der Kurs für zehnjährige US-Treasuries immer neue Höhen; umgekehrt fällt die Rendite, allein heute um 15 Basispunkte auf 2,02 Prozent. Auch deutsche Bundesanleihen sind heißbegehrt. Deren Rendite fällt um 14 Basispunkte auf 2,06 Prozent. So billig wie derzeit hat sich die Bundesrepublik selten zuvor Geld leihen können. Die Rendite französischer Anleihen sinkt um neun Basispunkte auf 2,73 Prozent. Selbst italienische und spanische Anleihen halten sich heute passabel.

Grund für den Ansturm: Die Investoren stellen sich auf eine neue Wirtschaftkrise ein. Sie fürchten, das Wachstum werde sich weltweit deutlich abschwächen, in manchen Regionen sogar gegen Null tendieren. Die US-Bank Morgan Stanley veröffentlichte heute eine Studie mit dem Titel „Dangerously Close to Recession“, übersetzt: Gefährlich nah an der Rezession. Hinzu kommt die Angst vor einer neuen Bankenkrise.

Der Reflex der großen institutionellen Anleger in einer solchen Situation ist immer der gleiche. In Panik ziehen sie ihr Geld aus risikoreichen Anlagen ab, parken es in vermeintlich sichere Anlagen. Sie verkaufen Aktien und legen das Geld lieber in Staatsanleihen an. Es geht nicht mehr um Rendite, sondern nur noch darum, das Geld zu retten.

Am Ende ist es eine Wahl zwischen Pest und Cholera: Das Risiko, durch einen Absturz an den Börsen Milliarden zu verlieren, ist größer, als die Gefahr, dass Staaten wie die USA oder Deutschland morgen pleite gehen. In der Logik der Investoren ergibt es also durchaus Sinn, hochverschuldeten Staaten noch mehr Geld zu leihen. Zugleich ist es unglaublich kurzsichtig.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter

Kommentare zu " Kommentar: Eine Wahl zwischen Pest und Cholera"

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  • Wer Erspartes in "sicheren Staatsanleihen" mit "Mickerzinsen" anlegt, verliert nicht nur durch die Inflation jährlich Geld, fährt vielmehr ein riskantes Kursrisiko (fallende Kurse, bei steigenden Zinsen).Alternativen: Eigene selbstgenutzte Immobilie bringt Sicherheit durch "Nullmiete". Nach wie vor, Gold in physischer Form. Selbst große Notenbanken (die auf "Dollarsäcken sitzen") diversifizieren und kaufen.Zudem mit steigendem Einkommen, finden sich Kunden im Asiatischen Markt (Nachfrageschub).Ansonsten einfach nur auf den Goldchart (max.) gucken.Kurzfristige Bonds mit guter Verzinsung (durch die "Euroretter" mit Steuergeldern "abgesichert")sind eine weitere Möglichkeit.
    Defensive Daxwerte mit guter verläßlicher Dividende, was soll da "schief laufen?" Aber "nicht alle Eier in einen Korb legen!" So hier "Brunos Ideen" mit "handfesten" Überlegungen, wie von "rmx" gefordert. Last not least: Panik ist ein schlechter Ratgeber!

  • Solche Artikel sind doch immer so erhellend: Es wird zwar genörgelt, aber der Leser erhält keine Information, wie er denn nach Meinung des Autor sein Geld nun anlegen soll. Danke, aber solche Artikel sind schlichtweg überflüssig.

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