Konkunktur wächst um neun Prozent
Argentinien-Bonds legen zu

An den internationalen Kapitalmärkten bleiben argentinische Anleihen weiter gefragt. Die Bonds des Landes und anderen Anlageinstrumente, die im Rahmen der umstrittenen Umschuldung Anfang 2005 emittiert wurden, erfreuen sich angesichts weltweit niedriger Zinsniveaus und der guten Wirtschaftsentwicklung im Pampaland großer Beliebtheit. Entsprechend stetig steigen die Kurse.

BUENOS AIRES. Die Risikoprämien, also die Zinsaufschläge im Vergleich zu US-Schatzanleihen, sinken auf immer neue historische Tiefstände. Der argentinische Staat hatte Ende 2001 den größten Zahlungsausfall der Finanzgeschichte angemeldet und Anfang des letzten Jahres endlich umgeschuldet, seinen Gläubigern dabei allerdings einen Forderungsverzicht von 75 Prozent des Barwerts abgerungen. Rund 20 Prozent der Gläubiger gingen auf das Umschuldungsangebot nicht ein und sitzen noch immer auf den notleidenden Altanleihen.

Die argentinische Wirtschaft brummt jetzt schon im vierten Jahr, das Wachstum betrug 8,7 Prozent im dritten Quartal und wird im Gesamtjahr auf reale 8,5 Prozent kommen. Wenn es keine einschneidenden negativen Entwicklungen in der Weltwirtschaft gibt oder die Energiekrise in Argentinien das Wachstum stärker als erwartet drückt, rechnen die meisten Analysten mittlerweile damit, dass die Szenerie 2007 weiterhin von mindestens sieben Prozent Wachstum, stattlichen staatlichen Haushaltsüberschüssen sowie relativ stabiler Währung und einer Inflation um die zehn Prozent geprägt sein wird.

Wegen des robusten Wachstums entpuppte sich der so genannte BIP-Kupon als neuer Liebling der internationalen Anleger. Das ist ein Papier, das einer Aktie ähnelt, weil es je nach Höhe des argentinischen Wirtschaftswachstums eine Art Dividende abwirft. Der BIP-Kupon war zunächst an die Anfang 2005 neu emittierten Anleihen gekoppelt, wird aber seit November 2005 unabhängig gehandelt. Damals stand der Kurs bei etwa 3 Dollar das Stück. Heute steht der Wert bei über 13 Dollar.

Das Papier sei chronisch unterbewertet gewesen, weil Anleger mit dieser Art von Anlageinstrument keine Erfahrung gehabt hätten und weil man das argentinische Wachstumspotential und allgemein den Schwellenländerboom unterschätzt habe, meinen die Experten von ABN Amro. Ihrer Meinung nach „gehören die argentinischen BIP-Warrants noch immer zu den wenigen unterbewerteten Werten in Lateinamerika.“

Die „Dividende“ auf die BIP-Kupons wird jeweils Ende des Jahres für das Vorjahr berechnet und wurde unlängst erstmals ausgezahlt. Für 2005, wo das Wachstum deutlich über dem vorgegebenen Basisniveau lag, zahlte die Regierung vor wenigen Tagen 62 Cents pro 100 Dollar. „Wir erwarten dass die Zahlungen für den in US-Dollar denominierten BIP-Kupon im Dezember 2007 auf 1,3 Dollar steigen werden“, so Pablo Morra von Goldman Sachs, die das Papier in ihre Empfehlungsliste aufgenommen haben.

Nach der ersten Zahlung, die den Kurs des BIP-Kupons hochgetrieben hatte, dürften die Papiere nun eine Konsolidierungsphase erleben, aber Ende des kommenden Jahres sollten die Preise sich nahe den 20 Dollar bewegen, schätzt Walter Molano, Chef des US-Investmenthauses BCP Securities.

Wenig Neues dürfte es 2007 für die Gläubiger geben, die an der Umschuldung letztes Jahr nicht teilnahmen. Zwar verkündete die argentinische Regierung, dass sie im kommenden Jahr die notleidenden Kredite gegenüber dem Pariser Club umschulden möchte und legte bereits einen Vorschlag vor. Privaten Gläubigern gegenüber will Präsident Nestor Kirchner jedoch kein neues Angebot machen. „Im Oktober 2007 sind Präsidentschaftswahlen und es scheint als sei das Thema der ausstehenden notleidenden Anleihen ein politisches Tabu“, meinen die Experten von Goldman Sachs.

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