Kredit-Rating
Moody's degradiert Griechenland auf niedrigste Stufe

Der Schuldenschnitt der privaten Gläubiger führt zu einem „teilweisen Zahlungsausfall“ und schadet der Kreditwürdigkeit Griechenlands. Da sind sich die Ratingagenturen einig. Doch Moody's sieht die Lage noch düsterer.
  • 11

WashingtonMoody's hat die Kreditwürdigkeit für Griechenland erneut gesenkt - dieses Mal auf die niedrigste Note. Wie die Ratingagentur am Freitagabend mitteilte, lautet die neue Einstufung C nach zuvor Ca. Das Risiko eines Zahlungsausfalls bleibe selbst nach dem Einverständnis der Banken, mehr als die Hälfte der griechischen Schulden abzuschreiben, hoch, hieß es zur Begründung.

Die Einigung zum Schuldenschnitt mit den privaten Gläubigern werde für die Investoren Verluste von schätzungsweise 70 Prozent zur Folge haben, erklärte Moody's. Nach dem Anleihetausch, der noch diesen Monat unter Dach und Fach gebracht werden soll, werde das Kreditrisiko erneut überprüft werden. Die Ratingagentur hatte die Bonität des von der Pleite bedrohten Landes bereits auf Ramschstatus gesenkt und den Ausblick mit „negativ“ angegeben, womit bereits mittelfristig eine weitere Herabstufung angedeutet worden und der Schritt daher wenig überraschend war.

Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte am 27. Februar Griechenland auf das Niveau eines teilweisen Zahlungsausfalls zurückgestuft. Auch hier war die Einigung mit den privaten Gläubigern, also Banken, Versicherungen und Investmentfonds, als Begründung angegeben worden.

Griechenlands Schulden würden für viele Jahre deutlich über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen, erklärte Moody's. Das Land dürfte zudem keinen Zugang zum privaten Markt haben, sobald das zweite Hilfspaket auslaufe, hieß es. Die Ratingagentur sieht weiterhin erhebliche Risiken bei der Umsetzung der geplanten fiskalischen und wirtschaftlichen Reformen.

Die privaten Gläubiger des Landes hatten sich bereit erklärt, auf Forderungen in Höhe von 107 Milliarden Euro zu verzichten. Dazu sollen sie ihre griechischen Staatsanleihen gegen neue Papiere mit günstigeren Rückzahlungsbedingungen für das krisengeschüttelte Griechenland eintauschen.

Wenn der Anleihentausch erfolgreich abgeschlossen wird, kann Athen wieder auf eine bessere Bewertung durch Standard & Poor's hoffen. Die Ratingagentur stellte für diesen Fall eine Hochstufung auf CCC in Aussicht.

Dies wäre zwar deutlich besser als SD, Griechenland würde aber noch immer als Land mit gehörigem Ausfallrisiko gelten. Moody's stellte hingegen keine Verbesserung seiner Bewertung in Aussicht. Selbst wenn der Schuldenschnitt wie geplant erfolge, bleibe des Risiko eines Zahlungsausfalls hoch, erklärte die Agentur. Schließlich werde der Schuldenberg Griechenlands mehrere Jahre lang weit über hundert Prozent des BIP liegen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Kredit-Rating: Moody's degradiert Griechenland auf niedrigste Stufe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es wird schlicht nicht möglich sein, Griechenland in eine Industrienation umzubauen. Wie kann man das nur denken? Als ob alle anderen Nationen schlafen und ihre Entwicklung einstellen werden, damit das arme Griechenland aufholen kann. Alle Berichte und Prognosen sind bewusster Lug und Trug. Griechenland ist eigentlich in den Köpfen aller - auch deren, die Hinhaltemilliarden verteilen - schon längst aus dem Euro ausgeschieden. Nur opfert man den Wohlstand, um sich über die nächste Wahl zu retten oder warum auch immer.

  • Wer Geld verleiht, und dazu noch fremdes Geld,wie jetzt der EFSF, an einen Schuldner, der offiziell als "zahlungsunfähig" eingestuft wird, handelt kriminell und ist zur Rechenschaft zu ziehen. Die Haftungsfrage ist in diesem Fall zu stellen und sie wird hoffentlich auch gestellt.

  • In einer Marktbeurteilung haben Analysten der Credit Suisse begründet, warum es aus ihrer Sicht am 9. März zur formalen Pleite von Griechenland kommen wird: Die Schweizer gehen davon aus, dass die rückwirkende Zwangsumschuldung (CAC) in Griechenland nach den entsprechenden Parlamentsbeschlüssen nun auch Gesetz werden. Am 8. März endet die Umtauschfrist der alten Staatsanleihen in die neuen (mit einem 53% Schuldenschnitt). Wenn danach die Mehrheit der Gläubiger nicht zugestimmt hat, wäre Griechenland endgültig pleite.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%