Kreditaufnahme im 4. Quartal
Bund braucht nicht ganz so viel Geld

Der Bund wird sich im vierten Quartal weniger Geld von Investoren leihen müssen als geplant. Bis zum Jahresende will der Bund Wertpapiere über 59 Mrd. Euro emittieren. Das sind 17 Mrd. Euro weniger als die für das deutsche Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur im März angekündigt hatte.

FRANKFURT. Der Großteil der Kürzungen entfällt auf bis zu zwölf Monate laufende unverzinsliche Schatzanweisungen, die zum Geldmarkt gehören.

Laut Finanzagentur wird die Emissionsplanung unter anderem an den verminderten Kapitalbedarf des Finanzmarktstabilisierungsfonds angepasst. Aus Parlamentskreisen hieß es zuletzt, dass die Mittel für die Konjunkturstützung weniger stark in Anspruch genommen werden als gedacht.

Deutschland ist das erste Land in Europa, das seinen Refinanzierungsbedarf zumindest moderat reduziert. Der Terminkontrakt Bund-Future, Stimmungsindikator für Bundesanleihen, stieg nach der Ankündigung der Finanzagentur. Wilson Chin, Zinsstratege bei der niederländischen Großbank ING, warnt aber vor zu großer Euphorie. Trotz der aktuellen Reduktion werde Deutschland im kommenden Jahr viel mehr Schulden machen als in diesem. Dabei wird der Bund schon in diesem Jahr insgesamt neue Anleihen und Geldmarktpapiere im Rekordvolumen von 329 Mrd. Euro aufnehmen. Das ist etwas weniger als die im März angekündigten 346 Mrd. Euro. Ende vergangenen Jahres hatte der Bund für 2009 Emissionen über 323 Mrd. Euro prognostiziert.

Wieviel Geld der Bund 2010 aufnehmen wird, will die Finanzagentur im Dezember bekanntgeben. Zum Jahresende legt sie stets einen voraussichtlichen Emissionsplan für das kommende Jahr vor und aktualisiert diesen quartalsweise.

Netto wird sich Deutschland 2010 mit 86 Mrd. Euro verschulden. Das geht aus dem vorläufigen Haushaltsplan des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom Juni hervor. Vor der Zuspitzung der Wirtschafts- und Finanzkrise hatte das Ministerium für 2010 neue Nettoschulden über nur sechs Mrd. Euro prognostiziert.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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