Kreditausfallversicherungen: Derivate-Streit spitzt sich zu

Kreditausfallversicherungen
Derivate-Streit spitzt sich zu

Die Diskussion um handelbare Kreditausfallversicherungen erreicht neue Dimensionen. Collin Peterson, Mitglied des US-Repräsentantenhauses, will Spekulationen verbieten und den Schätzungen zufolge 30 Billionen Dollar schweren Markt mehr oder weniger austrocknen.

FRANKFURT. Der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses bereitet einen Gesetzentwurf mit den entsprechenden Folgen vor, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg gestern.

Peterson will unter anderem den Handel mit den sogenannten Credit Default Swaps (CDS) nur noch den Investoren erlauben, die auch die zugrunde liegenden Anleihen halten. Nach Schätzungen von Eric Dinallo, dem Chef der New Yorker Versicherungsaufsicht, werden aber 80 Prozent aller CDS von Investoren gehandelt, die die entsprechenden Anleihen nicht besitzen. Anhörungen zu dem Gesetzentwurf gibt es in der nächsten Woche.

Institutionelle Investoren können ihre Anleihe- und Kreditportfolios über CDS absichern , indem sie Prämien zahlen und ihren Schaden ersetzt bekommen, wenn der Schuldner ausfällt (siehe „Credit Default Swap im Überblick“). Inzwischen nutzen aber die meisten Investoren CDS vor allem zur Spekulation. Sie halten nur die CDS und wetten zum Beispiel darauf, dass das Ansehen eines Schuldners sinkt und die Versicherungs- beziehungsweise CDS-Prämien teurer werden. Ihren Schutz können sie dann zu den gestiegenen Preisen an andere Investoren weiterverkaufen. So verdienen sie auch bei fallenden Anleihekursen Geld.

Seit der Zuspitzung der Finanzkrise drängen Politiker und Aufsichtsbehörden weltweit darauf, den Handel mit CDS zu regulieren. Ihr Argument: Die Lehman-Pleite und die Beinahe-Insolvenz des US-Versicherers AIG hätten gezeigt, dass vom CDS-Markt erhebliche Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte ausgehen. Denn beide Institute drehten ein großes Rad am CDS-Markt. Dinallo von der New Yorker Versicherungsaufsicht hatte schon im September versucht, in New York strengere Anforderungen an den Handel mit CDS zu stellen, die ohne entsprechende Anleihen gehandelt werden, rückte davon aber später ab.

Experten bezweifeln so auch, dass sich der Gesetzentwurf von Peterson, der sich in der Vergangenheit schon um Termingeschäfte an den Rohstoffmärkten kümmerte, tatsächlich durchsetzt. „Die vorgeschlagenen Beschränkungen sind so drastisch, dass sie keine realistische Option sein dürften“, sagt Tim Brunne, Kreditstratege bei der italienischen Großbank Unicredit.

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