Kreditmärkte
Flucht in Staatsanleihen hält an

Auch an den Kreditmärkten nimmt die Unsicherheit weiter zu. Die Risikoaufschläge für Kreditausfallversicherungen steigen in Richtung ihrer Rekordstände. Profiteure der Krise sind die Staatsanleihen sicherer Schuldnernationen.

FRANKFURT. Verglichen mit den Aktienmärkten fallen die Schockwellen an den Kreditmärkten heute geringer aus. Doch auch die Risikoprämien der Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Investoren vor einem Zahlungsausfall schützen können, steigen weiter an. So liegen die Risikoprämien des i-Traxx-Europe-Index zur Absicherung von 125 europäischen Unternehmen guter Bonität bei 135 Basispunkten und damit zehn Basispunkte höher als gestern. Das bedeutet, dass Investoren jetzt 1,35 Prozent der Summe, die sie absichern wollen, als Versicherungsprämie zahlen müssen. Damit liegen die Prämien aber noch unter ihrem Hoch von Mitte März bei 1,60 Prozent.

"Die Kreditmärkte haben die Gefahren, die von der Subprime-Krise ausgehen, schon viel länger erkannt als die Aktienmärkte - von daher ist die inzwischen verhaltene Reaktion der Kreditmärkte kein Wunder", sagte ein Anleihehändler. In der Tat haben sich die Risikoprämien der i-Traxx-Indizes seit dem Ausbruch der Subprime-Krise um wacklige US-Hypotheken im vergangenen Sommer mehr als verfünffacht. Dennoch gehen viele Strategen davon aus, dass auch die i-Traxx-Indizes noch neue Rekordstände markieren werden.

Das gilt vor allem für den i-Traxx-Crossover-Index, der das Ausfallrisiko von 50 europäischen Unternehmen mit fragwürdiger Bonität abbildet. Die Risikoprämien dieses Indexes sind um 35 auf 635 Basispunkte geklettert. Damit liegen sie fast so hoch wie beim Rekord Mitte März. "Wenn sich die Banken mit der Kreditvergabe weiter zurüchalten, wird es zu deutlich höheren Ausfällen bei schwachen Schuldnern kommen", warnt Arndt Muthreich, Leiter der Kreditstrategie bei Dresdner Kleinwort. Entsprechend sollten dann auch die Risikoprämien im i-Traxx-Crossover weiter anziehen.

Von der Unsicherheit der Anleger profitieren erneut Staatsaneihen der Industrienationen, die mit Blick auf das Ausfallrisiko als sicherer Anlagehafen gelten. Entsprechend ist zum Beispiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf unter 3,80 Prozent gefallen. So niedrig lag sie zuletzt im März. Auch die Renditen von zweijährigen Bundesanleihen liegen mit gut drei Prozent so niedrig wie seit über einem halben Jahr nicht mehr. "Was geht, sind Bunds - bei allen anderen Papieren, denen nur der Hauch eines Risikos anhaftet, ist der Markt dagegen so gut wie ausgetrocknet, konstatieren die Strategen der NordLB.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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