Kreditwürdigkeit EFSF: Moody's watscht die Euro-Retter ab

Kreditwürdigkeit EFSF
Moody's watscht die Euro-Retter ab

Erst am Vortag hatte Moody's mit einem negativen Ausblick für Deutschland für Wirbel gesorgt. Jetzt nimmt die Ratingagentur auch den Rettungsschirm EFSF aufs Korn - und mehrere deutsche Bundesländer.
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FrankfurtDie Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Rettungsschirms EFSF auf negativ gesenkt. Zudem nimmt Moody's auch die Kreditwürdigkeit einzelner Bundesländer unter die Lupe. Das geschieht quasi automatisch wegen der großen Abhängigkeiten voneinander.

Zur Begründung verwies die Agentur am frühen Mittwochmorgen auf die Senkung des Ausblicks für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg am Vortag. Alle drei trügen erheblich zum Rettungsschirm bei, allein Deutschland schultere 29,1 Prozent. Bisher bewertete Moody's den Ausblick für den EFSF mit stabil.

Den EFSF bewerten Moody's und Fitch mit Aaa, Konkurrent Standard & Poor's mit AA+. Der EFSF wurde im Frühsommer 2010 aus der Taufe gehoben. Er soll strauchelnde Euro-Länder mit Krediten versorgen, die vom Kapitalmarkt abgeschnitten sind oder nur zu untragbar hohen Zinsen Geld bekommen.

Und damit nicht genug: Nachdem Moody's die Spitzenbonität von Deutschland in Zweifel gezogen hat, überprüft die Ratingagentur nun auch die Kreditwürdigkeit einzelner Bundesländer.

Am Dienstag senkte Moody's den Ausblick von Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt von „stabil“ auf „negativ“. Auch die Erste Abwicklungsanstalt (EAA) - die Resterampe der gestrauchelten WestLB - könnte abgestuft werden.

Ein schlechteres Rating kann bedeuten, dass für die Aufnahme von frischem Geld höhere Zinsen fällig werden. Die genannten Bundesländer besitzen sehr gute Ratings, Bayern und Baden-Württemberg sogar die Bestnote von „Aaa“ - wie auch die Bundesrepublik als Ganzes.

Die Überprüfung der Länderratings erfolgt, weil Bund und Länder eng verflochten sind. Aus dem gleichen Grund überprüft Moody's auch mehrere niederländische Ratings.

Moody's hatte am Montag angekündigt, die Spitzenratings von Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg unter die Lupe zu nehmen angesichts der steigenden Unsicherheit über den Ausgang der Schuldenkrise. Die Ratingagentur fürchtet, dass die wirtschaftlich starken Staaten weitere Lasten schultern müssen für die in Not geratenen Euroländer. Im Falle Deutschland hatte Moody's überdies auf das starke Engagement der hiesigen Banken in den Problemstaaten verwiesen.

Eine Abstufung ist jedoch keineswegs eine ausgemachte Sache. Auch die führende Ratingagentur Standard & Poor's hatte vor einigen Monaten die Spitzenbonität Deutschlands infrage gestellt. Letztlich blieb die Note aber unangetastet. Entscheidet sich Moody's jedoch für eine Abstufung, würde dies eine Kettenreaktion in Gang setzen. Auch Banken müssen dann mit schlechteren Ratings rechnen.

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  • Eine ernsthafte Solvenz-Krise kann man nicht mit neuen Krediten/Rettungsschirmen zu bekämpfen. Erforderlich ist vielmehr eine sehr großformatige Ausschüttung auf entstandene und zukünftige Gewinne der EZB an die Zentralbanken im Verhältnis ihrer Beteiligung an der EZB - verbunden mit der Auflage, diese an deren Anteilseigner weiterzuleiten und flankiert durch eine Anhebung des Basiszinssatzes auf 3,5%, dann entstehen auch wieder Risikokapital und Wirtschaftswachstum.

  • SPD und GRÜNE fordern Eurobonds.
    Da wäre Deutschland jetzt auf Ramschniveau.
    Soviel zur SPD- und GRÜNENPOLITIK .

  • Ein Strohhalm/Beruhigungspille via Verbalien aus er EZB:

    Die Hoffnung auf neue Maßnahmen zur Eindämmung der Schuldenkrise in der Eurozone stützt die Stimmung an Europas Börsen.
    EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny spricht sich für die Ausstattung des ESM-Rettungsschirms mit einer Banklizenz aus. Das würde dessen Feuerkraft steigern. Beobachter haben Zweifel, ob der Schirm in der jetzigen Form groß genug ist, um Spanien und möglicherweise auch Italien aufzufangen.


    Nomura zweifelt zudem daran, dass eine Banklizenz die Probleme in der Eurozone lösen könne.
    "Zusammengefasst lässt sich sagen, dass eine Banklizenz für den ESM nicht mehr als eine kleine Beruhigungspille darstellen würde", sagt Analyst Desmond Supple. Der ESM müsste dann die Basel-Regularien erfüllen und Kapitalreseven bilden, was die Gesamtkapazität der möglichen Ausleihungen beschränkte.

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