Kreditwürdigkeit: Fitch entzieht Großbritannien Bestnote

Kreditwürdigkeit
Fitch entzieht Großbritannien Bestnote

Erst Moody's, jetzt Fitch: Die US-Ratingagentur hat Großbritannien die Top-Bonitätsnote entzogen. Die maue Entwicklung der Wirtschaft und die staatlichen Finanzen machten Sorgen. Auch Standard & Poor's hat schon gedroht.
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LondonGroßbritannien verliert die Bestnote: Fitch stufte die Kreditwürdigkeit des Landes von „AAA“ auf „AA+“ herab, wie die US-Ratingagentur am Freitag in London bekanntgab. Die Abwertung erfolge vor allem wegen der trüberen Ausblicke für die wirtschaftliche Entwicklung sowie die staatlichen Finanzen. Fitch erklärte, der Ausblick für das neue Rating sei stabil. Damit signalisierte die Agentur, dass das Land zunächst keine weitere Herunterstufung zu befürchten hat.

Großbritannien läuft damit Gefahr, für ihre Kredite künftig höhere Zinsen zahlen zu müssen. Ende Februar hatte die Agentur Moody's Großbritannien ebenfalls das Spitzenrating entzogen. Einzig bei Standard & Poor's hat Großbritannien bislang noch immer die Bestnote „AAA“" - aber auch hier wackelt die Bewertung, wie S&P erst Anfang April erklärte.

Auch ein nur langsamer Fortschritt bei der Haushaltssanierung könnte zur Herabstufung der britischen Kreditwürdigkeit führen, warnte die Ratingagentur. S&P hielt am negativen Ausblick fest. Hintergrund sei, dass das Risiko einer Herabstufung mindestens bei eins zu drei liege – wenn sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Landes schlechter entwickle als bisher von S&P angenommen. Die Agentur geht für die Zeit von 2013 bis 2016 von einem Wirtschaftswachstum von jährlich 1,6 Prozent aus.

Großbritannien selbst rechnete im März noch mit einem etwas größeren Plus. Der britische Schatzkanzler George Osborne hatte nach dem Schritt von Moody's gesagt, dies sei eine „deutliche Erinnerung“ an die Schuldenprobleme, vor denen Großbritannien stehe Er hatte angekündigt, die Regierung werde bei ihrem Sparkurs bleiben. Die Opposition hatte die Herabstufung jedoch „beschämend“ genannt.

Die 2010 angetretene Regierung von Premierminister David Cameron hatte versucht, die Neuverschuldung mit massiven Haushaltskürzungen in den Griff zu bekommen. Das Konzept ging bisher jedoch nicht auf. Nur noch wenige Länder erhalten die Spitzennote von allen drei Ratingagenturen, darunter Deutschland. Die USA und Frankreich gehören dem exklusiven Klub bereits nicht mehr an.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
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  • ISt es tatsächlich eine Wirtschaftskrise oder ist es nicht viel mehr das Ergebnis, von Regierungen unterstützter, Zockerei der Spekulanten? In der BRD wurde 1992 die Mineralsölsteuererhöht, um Großbritannien zu helfen.Allles schon vergessen. Deswegen kannja uch Frau Merkel udn Herr Schäuble mit den Geldkoffern durch die Welt reisen und Länder, Schwarzgelder, Banken zu retten. Wird bei UK nicht anders werden: ist systemrelevant und alternativlos.
    Zur Erinnerung:
    "Die Pfundkrise im September 1992 war eine Spekulation gegen das Britische Pfund, die das Europäische Währungssystem (EWS) beinahe zum Einsturz brachte.
    George Soros und andere Investoren waren der Meinung, dass das britische Pfund überbewertet sei und dass Großbritannien entweder das Pfund abwerten oder das EWS verlassen würde. Soros und andere setzten daher große Geldsummen zur Schwächung des Pfunds ein. Zuerst versuchte die britische Notenbank noch, durch Stützungskäufe ihre Währung zu stabilisieren. Als das aber wenig Wirkung zeigte, gab sie am 16. September 1992 eine Zinserhöhung von zuerst 10 % auf 12 % bekannt, um die Attraktivität des Pfundes zu steigern und Investoren anzuziehen. Nur wenige Stunden später stellte die Notenbank eine Erhöhung des Zinssatzes auf 15 % in Aussicht. Die Spekulanten ignorierten aber diese Aussage und setzten weiterhin hohe Summen gegen das britische Pfund, so dass gegen 19 Uhr Ortszeit der Schatzkanzler (Chancellor of the Exchequer), Norman Lamont, bekannt gab, dass Großbritannien das EWS verlassen würde und die Zinsen wieder auf das alte Niveau von 10 % gesenkt würden. In der Folge fiel das britische Pfund in den nächsten fünf Wochen um fast 15 % gegenüber der deutschen Mark und um 25 % gegenüber dem US-Dollar.
    Diese Spekulation brachte Soros einen Milliardengewinn und den Beinamen „The man who broke the Bank of England“ ein."

  • @simplizistisches_Modell

    1. Zitat aus Ihrem Kommentar:
    "Hätten also die Briten den Euro statt dem Pfund, dann wäre es um ihre Wirtschaft noch wesentlich schlechter gestellt. "

    FRAGE:
    Können Sie diese Aussage fundiert mit Zahlen belegen?


    2. Zitat aus Ihrem Kommentar:
    "Der Euro ist in der Regel ein Brandverschneller (also Mediator) und wird es auch"

    FRAGE:
    Kennen Sie das Verfahren der Mediation?
    Könnte es sein, dass Sie stattdessen "Katalysator" meinen?

  • Klar, die Spanier hatten eine Immobilienblase, die Zyprer hatten zu viel Kapital in Griechenland angelegt und insgesamt konnten viele Länder durch den EURO leichter Geld aufnehmen. In England ist die Situation wieder anders. Aber mit oder ohne EURO gibt es überall das selbe Problem. Was machen Politiker wenn sie Geld kriegen und sei es auch nur auf pump? Sie geben es aus!
    Es spielt keine Rolle in welcher Währung man zu viel Geld ausgibt. Jetzt wo der Druck hoch genug ist versucht man endlich die Steueroasen trocken zu legen. Aber das wird wohl nicht reichen. Das gesamte System steckt in einer Sackgasse. Wir haben nur durch die niedrigen Zinsen Zeit gewonnen. Die meisten Staaten könnten einen Zinssatz von 7% nicht verkraften.
    Wenn man nach einer Lösung sucht sollte man sich nicht auf die Währung fixieren.

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