Kreditwürdigkeit
Um Deutschland muss sich niemand Sorgen machen

Die Zeiten, in denen deutsche Staatsanleihen als langfristig lohnenswert galten, sind lange vorbei. Grund dafür sind auch Sorgen um die Bonität - die sind derzeit allerdings unbegründet. Ein Kommentar.
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Was sich an den Märkten für Kreditderivate abspielt, ist auf den ersten Blick erschreckend: Spekulanten haben Deutschland ins Visier genommen. Wer sich gegen einen Zahlungsausfall Deutschlands absichern will, muss dafür jetzt dreimal so viel zahlen wie vor vier Monaten. Das legt den trügerischen Schluss nahe, dass die Märkte eine schlechtere Bonität Deutschlands vorwegnehmen.

In der Tat grassiert zwar in der Politik die Angst davor, dass Deutschland sich mit Hilfen für die überschuldeten Euro-Staaten übernimmt. Und in dieser Woche hat selbst die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) gewarnt, dass sich die Garantien für den europäischen Rettungsfonds EFSF nicht unendlich erweitern lassen, ohne dass irgendwann darunter auch die Kreditwürdigkeit der Geberländer leidet.

Doch bei Investoren hat die Angst vor einer schwächeren Bonität Deutschlands noch nicht um sich gegriffen. Im Gegenteil: Die institutionellen Großanleger, die Deutschlands Staatsschulden über den Kauf von deutschen Staatsanleihen finanzieren, geben sich mit einer extrem geringen Rendite zufrieden. Ende vergangener Woche zum Beispiel fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen aufgrund der hohen Nachfrage auf das historische Tief von 1,64 Prozent.

Die steigenden Kosten für Kreditausfallversicherungen auf Deutschland sind kein Zeichen für großes Misstrauen gegenüber der Regierung in Berlin. So stehen auf Deutschland sogenannte Credit Default Swaps (CDS) über brutto nur 107 Milliarden Dollar aus. Das klingt nach viel, entspricht aber nicht einmal einem Zehntel des Volumens der ausstehenden deutschen Staatsanleihen. Schon das allein zeigt, dass die Angst so groß nicht sein kann.

Die CDS funktionieren so, dass sich ein Investor bei einem anderen Investor gegen den Zahlungsausfall eines Staates oder eines Unternehmens absichert. Dafür zahlt der Versicherte eine Prämie an den Versicherer. Seit Ende vergangener Woche liegen die Prämien für den Schutz vor einem Ausfall Deutschlands erstmals bei über 100 Basispunkten. Das bedeutet, dass der Versicherte jedes Jahr gut 100 000 Euro an den Versicherer zahlt, um deutsche Staatsanleihen über zehn Millionen Euro – die Standardgröße für ein solches Absicherungsgeschäft – abzusichern. Anfang Juni lagen die CDS-Prämien bei 37 Basispunkten.

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Anleger akzeptieren für mehr Sicherheit deutliche Einschnitte

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  • @Privatanleger.

    Ich habe nichts dagegen, wenn man Klartext redet, aber bei Belegen für Behauptungen sollt man nicht mit Steinen aus dem Glashaus werfen: 50 % aller Türken sind vermutlich Heranwachense in nicht erwerbsfähigem Alter. Daher ist ihre Aussage so falsch. Die größten "Bildunsgversager" sind übrigen die "christlichen" Italiener, Türken an 2. Stelle.
    Die Welt ist eben komplizierter.

    Und das Hartz IV - Bezieher klassiche Grünwähler sind, ist Blödsinn. Die wählen oft gar nicht oder Links. letzters aber auch aus nachvollziehbaren Gründen: für knapp 8 Euor hätten Sie z.b. in München , Düsseldorf oder Frankfur auch keinen Bock zu arbeiten, wenn sie bei Vollzeit noch zum Amt müssen. Das ist den Leiharbeitsfirmen und Ihren Profiteuren aber sch...egal.

  • ....wenn man leben darf, in einer noch schönen Stadt, wo
    Menschen mehrheitlich sehr fleißig sind,die Aloquote trotz
    allem noch niedrig ist,dem kann es gar ganz üppig aufstoßen,
    wenn das viele Bürgergeld ja fast schon zentrifugal in alle
    Richtungen,mal weiter,mal näher; großzügist verteilt wird.
    Diese Nehmerqualitäten sind ja nicht nur im Süden bekannt.
    Mal meldet sich wieder einer mal von hier ,dann von dort.
    Verkleidet oft als missionarischer Halbsoziologe,der
    zahlenunkundig vorgibt,was zu verstehn von der Welt und der
    Globalisierung,immer auf der alternativlosen Solidaritäts
    orgel spielend!

  • Danke für Ihren Link. Ich habe mich sofort beteiligt. Wer hier zuschaut ohne zu handeln, dem idt nicht mehr zu helfen.

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