Krise auf dem Markt für besicherte Spezialanleihen
Experten geben Entwarnung

Die Austrocknung der Märkte für forderungsbesicherte Anleihen schlägt international Wellen. Doch große deutsche institutionelle Anleger sehen sich von der Krise kaum betroffen, wie Nachfragen des Handelsblatts ergaben.

FRANKFURT. „Unsere Kunden haben in den Rentenportfolios weniger als ein Prozent an forderungsbesicherten Anleihen“, sagt beispielsweise Michael Korn, Geschäftsführer bei Allianz Global Investors in Deutschland, dem mit 110 Mrd. Euro größten Asset-Manager für institutionelle Adressen. „Wer solche spezialisierten Positionen hält, hat dort nur bescheidene Teile seines Vermögen investiert“, sagt ein Vertreter des Fondshauses Universal-Investment, dem größten Dienstleister für institutionelle Investoren.

Ungeachtet dieser Gesamteinschätzung wollen Insider nicht ausschließen, dass es in Einzelfällen unangenehme Schlagzeilen geben wird. So wittert Ingo Peter Voigt, Leiter Konzernfinanzen beim Versorger EnBW, negative Überraschungspotenziale. „Einige haben wohl relativ unkontrolliert in Kreditrisiken und strukturierten Produkten investiert, diese Rechnungen werden im nächsten halben Jahr noch präsentiert werden, etwa bei Vorlage der Rechenschaftsberichte“, glaubt er. Rainer Buth berichtet ebenfalls über punktuelle Investments. „Manche Betroffene machen sich Gedanken, wollen die Engagements aber durchhalten“, sagt der Geschäftsführer von Faros Consulting, einer auf die Beratung institutioneller Anleger spezialisierten Firma. Teilweise mutmaßen Marktteilnehmer, dass gerade Banken betroffen sein könnten.

Die Unruhen an den Kapitalmärken waren im Juli durch die wachsenden Probleme am US-Immobilienmarkt ausgelöst worden. Forderungsbesicherte Anleihen (ABS), die auf Hypothekendarlehen geringer Qualität (Subprime) basieren, wurden illiquide. Daraus entwickelte sich eine Vertrauenskrise, die ABS-Tranchen höherer Bonitäten und andere Märkte, etwa jene für Unternehmensanleihen, Aktien oder Rohstoffe, ansteckte. Vor allem in Deutschland mussten Fondshäuser in den vergangenen Wochen einige ABS-Fonds für Institutionelle schließen.

Die generelle Lagebewertung von Allianz und Universal wird durch Angaben großer Institutioneller gedeckt. „Wir haben nur ein Promille unserer Anlagen in ABS erster Qualität, also praktisch nichts“, sagt Daniel Just, zuständiger Vorstand für Kapitalanlage bei der Bayerischen Versorgungskammer (BVK), der mit über 40 Mrd. Euro größten deutschen Versorgungseinrichtung. „Als konservative Investoren haben wir keine Engagements im problembehafteten Subprime-Segment“, ergänzt er. Die EnBW hat in ihrem 5,5 Mrd. Euro großen Depot laut Voigt ebenfalls keine Risikoinvestments. „ABS-Papiere und ähnliche Konstruktionen haben wir nicht“, sagt auch Dirk Lepelmeier, der als Geschäftsführer Kapitalanlagen bei der Nordrheinischen Ärzteversorgung 8,2 Mrd. Euro steuert. „Wir haben seit Jahren keine ABS-Bestände mehr“, kommentiert Dieter Lehmann, der die 2,4 Mrd. Euro große Vermögensverwaltung der Volkswagen Stiftung in Wolfsburg verantwortet.

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