Krise des US-Versicherers AIG
Risikoprämien auf Rekordniveau

Die Risikoprämien am Anleihemarkt sind gestern weiter in die Höhe geschossen. Auslöser waren vor allem die Unsicherheiten mit Blick auf den US-Versicherer AIG, der um Kapital ringt. Besonders deutlich ließ sich dies am Derivatemarkt ablesen.

FRANKFURT. Dort sichern sich Investoren über so genannte Credit Default Swaps (CDS) gegen den Zahlungsausfall von Anleiheschuldnern ab. Ein Ende der steigenden Risikoprämien ist nach Einschätzung von Analysten noch nicht abzusehen.

Bis gestern Nachmittag stiegen die Risikoprämien im i-Traxx-Europe auf 154 Basispunkte. Der i-Traxx Europe bildet die Kosten für den Ausfallschutz auf ein Portfolio von 125 europäischen Unternehmen – inklusive Banken und Versicherer – ab. Ein Risikoaufschlag von 154 Basispunkten bedeutet, dass Investoren jährlich 154 000 Euro zahlen müssen, um ein Indexportfolio von zehn Mill. Euro fünf Jahre abzusichern. Seit Donnerstag sind die Risikoprämien um 50 Prozent gestiegen.

Damit nehmen die Investoren an den Kreditmärkten die Probleme noch ernster als die Aktionäre. Die Aufschläge im i-Traxx nähern sich dem Rekordhoch von 160 Basispunkten, dass sie kurz vor der Rettung der US-Investmentbank Bear Stearns im März erreicht hatten. Noch deutlicher stiegen die Ausfallprämien in den USA, wo der dem i-Traxx vergleichbare CDX-Index gestern einen Rekordstand von 217 Basispunkten erreichte. Am teuersten war dabei in Europa und USA die Absicherung für einen Ausfall von Banken und Versicherern.

„Lehman Brothers war gestern, jetzt steht AIG im Blickpunkt“, schrieben die Strategen der niederländischen Großbank ING einen Tag nach der Pleite von Lehman Brothers. „Wenn AIG untergeht, könnte es zu einem Domino-Effekt kommen“, warnte auch Andrea Cicione, Kreditstratege bei BNP Paris. Kenneth Lewis, Chef der Bank of America, kennt keine Bank, die nicht mit AIG geschäftlich verflochten ist. Ein Ausfall von AIG wäre ein größeres Problem als alles was man bislang gesehen habe, sagte Lewis dem Nachrichtensender CNBC. Die Risikoprämien von CDS auf AIG schnellten auf über 2 500 Basispunkte in die Höhe, und die Kurse der AIG-Bonds sackten auf 50 Prozent des Nominalwertes von 100 Prozent ab. Am Bondmarkt wird AIG damit bereits als Pleitekandidat gehandelt.

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