Krise nicht ausgestanden
Kompromisse im Jumbo-Markt

Die Lage im Handel mit Jumbo-Pfandbriefen und europäischen Covered Bonds im Jumbo-Format ab einer Mrd. Euro entspannt sich etwas. Seit Montagnachmittag läuft der Interbankenhandel mit den gedeckten Papieren wieder – wenn auch zu eingeschränkten Konditionen.

FRANKFURT. Der europäische Jumbo-Markt für mit Staatskrediten oder Hypotheken gedeckte Bankenanleihen hat ein Volumen von rund 870 Mrd. Euro. Der angesichts der Krise an den Kreditmärkten im September gegründete Spezialausschuss des European Covered Bond Council (ECBC) empfahl den Banken für Jumbos das Market Making, also das Stellen von An- und Verkaufskursen, zu den dreifachen sonst üblichen Spannen wieder aufzunehmen. Die Mindestvolumina wurden auf fünf Mrd. von üblicherweise 15 Mrd. Euro reduziert. Dies gilt bis zum 14. Dezember, in der danach umsatzarmen Handelszeit bis Anfang Januar wird das Market Making traditionell ohnehin ausgesetzt. Der Verband deutscher Pfandbriefbanken (VDP) erwartet, dass der Handel im neuen Jahr wieder ohne Einschränkungen funktioniert. Der Interbankenhandel zu engen An- und Verkaufskursen soll die Liquidität der Jumbos sichern.

In der vergangenen Woche hatte das ECBC-Komitee, dem die acht größten europäischen Emittenten und die acht bedeutendsten Investmentbanken im Covered Bond Markt angehören, empfohlen, das für Jumbos verpflichtende Market Making auszusetzen. Grund waren die neuerlichen Verwerfungen an den Kreditmärkten, die auch Covered Bonds in Mitleidenschaft gezogen hatten. Besonders betroffen von den Turbulenzen sind britische, spanische und amerikanische Covered Bonds, deren Risikoaufschläge zum Teil drastisch gestiegen sind. Seit August läuft das Market Making nicht mehr reibungslos, die Geld-Brief-Spannen wurden erhöht.

"Die Lage hat sich wieder etwas entspannt, von daher ist die Wiederaufnahme des Handels gerechtfertigt“, sagte Louis Hagen, Hauptgeschäftsführer des VDP. "Allerdings kommt in den neuen Konditionen auch zum Ausdruck, dass die Märkte noch sehr fragil sind.“

José Sarafana, Covered Bond-Analyst bei der Société Générale, bewertete die Ankündigung als "ersten Schritt in Richtung Normalität.“ Auch sein Kollege Leef Dierks von Barclays Capital begrüßte es, dass das Market Making im Interbankenhandel wieder aufgenommen wird. "Allerdings ist fraglich, ob die eingeschränkten Verpflichtungen zum Market Making zu einem Feuerwerk an Aktivität führen werden“, meinte Dierks. Dies gelte nicht nur für den Handel, sondern auch für den Markt für neue Jumbos. "Ohne die Wiederaufnahme des Market Makings wäre der Primärmarkt komplett lahm gelegt, jetzt sind zumindest noch einzelne Emissionen möglich, wenngleich wir sie in Anbetracht des aktuellen Marktumfeldes für nicht empfehlenswert halten“, sagte Dierks. Ein Teil der Kandidaten – die Pipeline ist prall gefüllt – werde sich voraussichtlich erst Anfang nächsten Jahres auf den Markt wagen.

Angesichts der Turbulenzen hat die HSH Nordbank einen zunächst noch für dieses Jahr geplanten Jumbo über eine Mrd. Euro auf Januar 2008 verschoben. Dabei handelt es sich um den ersten Jumbo-Schiffspfandbrief. Die Ratingagentur Moody’s bewertet das Papier mit dem Höchstrating "Aaa“, zuvor hatte noch nie ein Schiffspfandbrief ein Rating.

"Mit dem Jumbo wollen wir als weltweit größter Schiffsfinanzierer internationale Investoren ansprechen“, sagte Jörg Arndt, Leiter der Refinanzierungsabteilung (Treasury) der HSH Nordbank. Die HSH Nordbank plane künftig jedes Jahr neue Schiffspfandbriefe über insgesamt drei Mrd. Euro, dabei seien später auch Emissionen in Dollar geplant. Wegen der hohen Qualität der Deckungsmasse, der guten Entwicklung der Anlageklasse und der konservativen Bewertung erwartet Arndt, dass die Risikoaufschläge für den neuen Schiffs-Jumbo etwas niedriger liegen werden als die Risikoaufschläge für mit Hypotheken gedeckte Jumbos.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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