Krisenstaaten gefragt
Bundesanleihen steigen leicht

Leichte Entspannung auf dem Anleihenmarkt: Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zuletzt einen Basispunkt höher. Für Finanzminister Schäuble ist das Geldausleihen auch über einen längeren Zeitraum so billig wie nie.
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Zehnjährige deutsche Bundesanleihen haben am Mittwoch mit zuletzt 1,05 Prozent einen Basispunkt höher als am Vortag rentiert. Der Terminkontrakt Bund Future gab zwölf Basispunkte auf 148,28 Prozent nach. Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist das Geldausleihen auch über einen längeren Zeitraum so billig wie nie. Bei der ersten Auktion einer neuen zehnjährigen Bundesanleihe nach der jüngsten Zinssenkung der EZB begnügten sich Investoren am Mittwoch mit einer durchschnittlichen Rendite von 1,05 Prozent. Das ist ein Rekordtief, wie die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betraute Finanzagentur mitteilte. Bei der vorangegangenen Neuemission im Mai lag die Rendite noch bei 1,41 Prozent.

Trotzdem zog die Nachfrage nach den Papieren an: Sie übertraf das Angebot um das 1,4-Fache. Bei der vorherigen Auktion einer neuen zehnjährigen Bundesanleihe gab es nur eine 1,1-fache Überzeichnung. Die Auktion spülte diesmal 4,15 Milliarden Euro in die Staatskasse. „Ein Grund für die rekordniedrige Rendite sind die geopolitischen Risiken wie die Krise um die Ukraine und Russland“, sagte NordLB-Experte Mario Gruppe. „Investoren mögen Unsicherheit überhaupt nicht und gehen deshalb in sichere Häfen - und der sicherste ist eben die Bundesrepublik Deutschland.“ Gedämpft werde die Rendite zudem von der Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB), die wiederum eine längere Zeit sehr niedrige Inflation erwarten lasse.

Die EZB hatte ihren Leitzins vorigen Donnerstag überraschend von 0,15 auf 0,05 Prozent gesenkt - auch um der Gefahr eines Preisverfalls auf breiter Front zu begegnen. Außerdem erhöhte sie den Strafzins für Banken, die Geld bei ihr parken, von 0,1 auf 0,2 Prozent. Erst am Montag hat der Bund beim Schuldenmachen sogar mehr Geld verdient denn je: Bei der Auktion sechsmonatiger Schatzanweisungen begnügten sich Investoren mit einer negativen Rendite von 0,0934 Prozent. Die Anleger erhalten damit nicht wie üblich Geld vom Bund, sondern müssen selbst draufzahlen.

Die Rendite zehnjähriger spanischer Anleihen stieg um zehn Basispunkte auf 2,29 Prozent. Entsprechende italienische Papiere rentierten mit 2,42 Prozent knapp sechs Basispunkte höher als am Vortag. Vor allem die spanischen Renditen waren bereits zuvor deutlich angestiegen; Marktteilnehmer hatten sich mit Blick auf die Umfrageerfolge der schottischen Separatisten Sorgen gemacht, dass es auch in Spanien zu einer Abspaltung von Katalonien kommen könnte. Auch wird derzeit um ein Referendum gestritten.

Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries war mit 2,51 Prozent einen Basispunkt höher. Sie lag damit auf dem höchsten Stand seit mehr als einem Monat. Ökonomen erwarten für diese Woche stärkere Konjunkturdaten aus den USA, womit die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung durch die US-Notenbank im nächsten Jahr zunehmen würde. Anleihen aus dem Euroraum haben sich dagegen dieses Jahr besser entwickelt als die aus den USA. Die EZB hatte ihre geldpolitischen Stimuli weiter verstärkt.

„Wir sehen eine starke Divergenz bei der Geldpolitik, und ebenso im Konjunkturzyklus”, sagte Christoph Kind von Frankfurt Trust in Frankfurt, „die EZB senkt die Zinsen, aber in den USA passiert nichts dergleichen. Es gibt sehr gute Argumente dafür, dass sich die Treasuries unterdurchschnittlich entwickeln werden.” Deutschland begab am Vormittag zehnjährige Anleihen im Volumen von fünf Milliarden Euro. Die Durchschnittsrendite lag bei 1,05 Prozent nach 1,08 Prozent bei der vorherigen Auktion am 13. August.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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