Kritische Finanzlage
Irlands Rating wackelt weiter

Dem hoch verschuldeten Irland droht womöglich weiteres Ungemach von Seiten der Ratingagenturen. Moody's prüft die Bonitätsnote für das Land wegen der hohen Kosten für die Rettung des Bankensektors und der stark gestiegenen Anleihrenditen auf eine weitere Herabstufung.
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HB DUBLIN. Irland droht eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch Moody's. Risiken für das hoch verschuldete Land sieht die Ratingagentur insbesondere in den hohen Kosten für die Sanierung der Bankenbranche sowie den jüngsten schwachen Konjunkturdaten. Zudem verwies Moody's am Dienstag auf die höheren Refinanzierungskosten Irlands seit der letzten Herabstufung durch die Agentur im Juli. Sollte sich Moody's für eine weitere Herabstufung entscheiden, würde sie die Bonitätsnote voraussichtlich um eine Stufe senken, teilte die Agentur mit.

Mitte Juli hatte die Moody's-Experten Irlands Kreditwürdigkeit auf die Note „Aa2“ herabgestuft von zuvor „Aa1“ und dies unter anderem mit dem zwar langsamen, aber deutlichen Verlust an Finanzstärke begründet. Moody's stuft das Land damit aber immer noch um eine Note besser ein als die Agenturen Fitch und Standard & Poor's.

Die Regierung in Dublin hatte vergangene Woche die erwarteten Kosten für die angeschlagene Banken-Branche auf bis zu 50 Mrd. Euro beziffert. Daraufhin kletterten die Kosten des Landes für die Kreditaufnahme auf das Dreifache verglichen mit Deutschland. Mit der Zeche für die irischen Banken erhöht sich der Schuldenberg der öffentlichen Haushalte Irlands auf 155 Mrd. Euro. Damit steht jeder irische Haushalt rein rechnerisch mit mehr als 100 000 Euro in der Kreide.

Ministerpräsident Brian Cowen will nächsten Monat einen mit Spannung erwarteten Vier-Jahres-Plan vorstellen, mit dem das größte Haushaltsdefizit innerhalb der EU angegangen werden soll.

Moody's bezeichnete den Plan als zentral für die Rating-Vergabe.

Der von Investoren geforderte Risikoaufschlag für zehnjährige irische Staatsanleihen zur vergleichbaren Bundesanleihe blieb bis zum Nachmittag in etwa auf dem Niveau vom Montag. „Es ist keine große Überraschung, dass Moody's angesichts der Probleme in Irland Schwierigkeiten damit hat, das Rating zu halten“, sagte ein Händler in Helsinki. „Die Spreads könnten sich im Laufe des Handels noch etwas ausweiten aber wohl nicht allzu viel.

Kommentare zu " Kritische Finanzlage: Irlands Rating wackelt weiter"

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  • Wer prüft objektiv die bonitätsnote der USA?

  • irland wird wegen des so nicht erwarteten Rückschlages bei den zunächst guten Fortschritten der Sanierung vermutlich der Erste sein, welcher den Schutz des EU-Schirmes in Anspruch nehmen wird. Damit fallen die Hemmschwellen anderer PiiGS und mehrere werden folgen. Schon wieder gilt: there is no free lunch. Nun zahlen vornehmlich die Deutschen entsprechend dem größten Anteil am Schirm. Merkel wollte es so.

  • SELF-FULLFiLLiNG-PROPHECY
    Das die Lage schwierig ist, weiß ja nun jeder. Dieses FiMOSTAPO-Geschwätz erleidet in seinen beurteilenden Abstufungskriterien einen Volatilitätseinbruch seiner beurteilungsqualität.
    Das Ganze hört sich eher so an, als habe im bord von Moody´s einer eine lange Nacht mit langjährigem irischen Whiskey zugebracht.
    in diesen Tagen werden beurteilungen der "großen Drei" immer mehr zum nichtssagenden Geschwätz.

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