Kurs der zweijährigen Bundesanleihen setzt wochenlangen Abwärtstrend fort
Sorge vor Zinsanstieg drückt auf die Kurzläufer

Die Geldpolitik der Notenbanken und die Furcht vor steigenden Zinsen stehen an den Anleihemärkten im Zentrum des Interesses.

DÜSSELDORF. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hatte gesagt, die Notenbank sei jederzeit bereit, auf steigende Preise mit einer Erhöhung der Leitzinsen zu reagieren. Gleichzeitig hatte in den USA in der vergangenen Woche ein Industriebericht des ISM-Instituts einen deutlichen Preis-Anstieg bei Rohmaterialien gemeldet. Im Ergebnis sind die Kurse der Staatsanleihen auf beiden Seiten des Atlantiks zunächst gefallen. In den USA sorgte allerdings eine Warnung vor möglichen Terroranschlägen in New York zum Wochenschluss für ein Umkehr des Trends. Die Kurse der Anleihen stiegen dort wieder an.

In Europa stehen nach den Inflations-Warnungen der Europäischen Notenbank vor allem die zweijährigen Bundesanleihen unter Druck. Ihre Rendite ist im Verlauf der vergangenen Woche um 0,06 Prozentpunkte auf 2,44 Prozent gestiegen. Zeitweise erreichte sie sogar 2,5 Prozent, den höchsten Stand seit März. Damit haben die Kurse der kurzfristigen Anleihen, die sich stets gegenläufig zur Rendite bewegen, bereits fünf Mal in Serie die Woche mit Verlusten abgeschlossen. Auch der Kurs der zehnjährigen Bundesanleihe ist zurückgegangen. Die Rendite stand zum Schluss bei 3,17 Prozent und damit 0,03 Prozent höher als zu Beginn der Woche.

Nach der Warnung Trichets haben Banken den Zeithorizont, zu dem sie eine Zinserhöhung der EZB erwarten, verkürzt. So rechnet die Bank of America jetzt schon im März mit einem ersten Schritt, nachdem sie zuvor den Juni angepeilt hatte. Doch manche Experten bezweifeln , ob es im kommenden Jahr überhaupt zu so einem Schritt kommt. „Der Markt hat seit dem letzten Zinsschritt der EZB schon fünf Mal Zinserhöhungen in den Kursen vorweggenommen. Es ist nie dazu gekommen“, sagte etwa Fondsmanager Matthieu Louanges, der bei der US-Fondsgesellschaft Pimco für europäische Fonds zuständig ist, gegenüber Bloomberg. Der Bund-Future reagierte zum Wochenschluss ebenfalls auf die US-Terror-Warnung und legte 0,18 Prozentpunkte auf 122,40 Zähler zu. Nach besser als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten war er am Freitag zeitweise bis auf 121,93 Zähler gefallen. Im Ernstfall wolle niemand am heutigen handelsfreien US-Feiertag falsch positioniert sein, sagten Händler.

In den USA rentierten zehnjährige Staatsanleihen zuletzt bei 4,36 Prozent, 0,03 Prozent schwächer als zum Wochenanfang. Vor einem Monat hat die Rendite noch bei 4,17 Prozent gelegen. Auf dem US–Industrieanleihemarkt sorgt die Autobranche für Unruhe. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat weitere Abwertungen der Kreditwürdigkeit von General Motors und Ford in Aussicht gestellt. Neben den Pensionslasten drücken schwache Absatzzahlen. Der Autozulieferer Delphi hat am Samstag Vergleich angemeldet.

In dieser Woche veröffentlicht die US-Notenbank am Dienstag ihr Sitzungsprotokoll. Am Donnerstag gibt das Ifo-Institut seinen Wirtschaftsausblick für den Euroraum bekannt. Nach US-Außenhandelszahlen am gleichen Tag blicken Händler am Freitag auf die US-Inflationsrate für September und den Michigan-Index zum Verbrauchervertrauen. Unter den Neuemittenten fällt die russische Alpha Bank auf. Sie will 230 bis 250 Mill. Dollar über ein Bankensyndikat aufnehmen. Danach plant sie Eurobonds in Höhe von 220 Mill. Dollar auszugeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%