Kurse fallen
Bund verkauft neue Anleihe nur mit Mühe

Die Deutsche Finanzagentur hat am Mittwoch wegen der geringen Nachfrage nur mit Mühe ihre neue zehnjährige Anleihe verkaufen können. Der Markt quittierte die enttäuschende Auktion mit Kursverlusten bereits gehandelter Papiere.

rtr FRANKFURT. Bei einem angestrebten Emissionsvolumen von acht Mrd. € teilte die deutsche Finanzagentur nur knapp sechs Mrd. € zu und behielt damit die ungewöhnlich große Summe von gut zwei Mrd. € für Marktpflege zurück. „Das ist sehr schlecht gelaufen, es gab nur sehr wenig Nachfrage. Das Emissionsvolumen war acht Mrd. € und die Nachfrage lag nur knapp darüber“, sagte ein Rentenhändler. Analysten zufolge lassen viele Investoren derzeit die Finger von längerfristigen deutschen Anleihen, weil die Regierung sich wegen der desolaten Wirtschafts- und Haushaltslage mehr Geld am Markt leihen muss als ursprünglich geplant. „Die Möglichkeit besteht, dass Deutschland seine Emissionspläne noch weiter nach oben schraubt. Dies ist keine gute Zeit, um Anleihen zu kaufen“, sagte Nathalie Fillet von BNP Paribas. Das Finanzministerium hatte am Dienstag die Nettokreditaufnahme für dieses Jahr auf 35 Mrd. € taxiert - ursprünglich geplant waren 18,9 Mrd. €.

Die Emission mit einem Nominalzins von 3,75 % war lediglich 1,4-fach überzeichnet. In diesem Jahr war nur eine fünfjähriges Papiere im Mai auf noch geringeres Investoreninteresse gestoßen. Die deutsche Finanzagentur teilte die Neuemission ab 98,52 % zu, die Durchschnittsrendite betrug 3,93 %.

Die Rentenmärkte reagierten mit Kursverlusten auf das Zuteilungsergebnis. Der richtungweisende Bund-Future weitete seine Verluste in Folge der Auktion zeitweise auf 80 von zuvor rund 50 Ticks aus, zuletzt notierte er mit einem Abschlag von 67 Basispunkten bei 116,03 Punkten. „Derzeit kommen viele neue Anleihen auf den Markt und das Umfeld ist nicht günstig“, sagte UBS-Analystin Monique Wong.

Nach einer monatelangen Rallye hat der Bund-Future bei einem „Mini-Crash“ in der vergangenen Woche herbe Verluste eingefahren. „Der Bund-Future ist angeschlagen. Da kann man die zehnjährige Anleihe billiger im Markt kaufen als wenn man sie zeichnet“, sagte ein Händler. Eine grundlegende negative Tendenz sei daraus aber weder für den Rentenmarkt noch für die Auktionen des Bundes abzuleiten.

Ein anderer Händler wies darauf hin, dass die Neuemission zwar die neue richtungweisende Anleihe am Rentenmarkt werde, aber nur für kurze Zeit. „Für Oktober ist bereits die Emission einer neuen zehnjährigen Anleihe mit Laufzeit bis Januar 2014 angekündigt“, sagte dieser. Möglicherweise werde die Nachfrage nach dieser Emission wieder größer sein.

Die Händler hoben hervor, dass die Finanzagentur angemessen auf die geringe Nachfrage reagiert habe. „Der Bund hat, obwohl er das Papier nur schwer losgeworden ist, fair zugeteilt“, lobte ein Marktteilnehmer. Das neue Papier sei mit einem Renditeaufschlag (Spread) von rund fünf Basispunkten über der im Januar 2013 auslaufenden Bundesanleihe ausgestattet worden.

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