Kurse sind gestiegen
Junk-Bonds bieten Puffer

Viele Privatanleger und professionelle Investoren wie Versicherer oder Pensionskassen sind mit Blick auf hochverzinsliche Unternehmensanleihen skeptisch. „Viele Investoren sagen, wir haben den Zug verpasst, jetzt sei es zu spät, in Hochzins-Bonds einzusteigen“, sagt Roman Gaiser, Fondsmanager für hochverzinsliche Unternehmensanleihen bei Threadneedle Investment.

FRANKFURT. Zu Unrecht, meint er. „Die Ängste vor einem deutlichen Rückschlag sind trotz der hohen Bewertungen übertrieben und hochverzinsliche Unternehmensbonds weiter attraktiv.“

In den vergangenen Jahren sind die Kurse so genannter Junk-Bonds – also Zinspapiere von Unternehmen, die von den Ratingagenturen als spekulative Schuldner (Non-Investment-Grade) eingestuft werden – deutlich gestiegen und ihre Renditen im Gegenzug gesunken (siehe „Der Markt für Junk-Bonds“). Dafür hat sich aber auch die Qualität der Schuldner verbessert, und die Ausfallraten der Junk-Bonds sind deutlich gesunken.

„Das wirtschaftliche Umfeld für hochverzinsliche Anleihen ist weiter gut“, sagt Garland Hansmann, der bei Credit Suisse Asset Management das Research für Unternehmensanleihen leitet. Alexis Renault, Fondsmanager für hochverzinsliche Unternehmensanleihen bei WestAM, geht ebenfalls davon aus, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone und den USA im nächsten Jahr zumindest moderat wächst und den Unternehmen stabile Erträge beschert. „Damit sollten die Unternehmen in der Lage sein, ihre Schulden zu bedienen.“ Derzeit hält er die durchschnittlichen Risikoaufschläge allerdings für etwas zu niedrig und erwartet im nächsten halben Jahr einen leichten Anstieg.

Raum für deutliche Kursgewinne der Junk-Bonds sehen die meisten Fondsexperten nicht, aber allein die hohen Zinsscheine der Bonds sollten den Anlegern Erträge zwischen vier und sechseinhalb Prozent bringen. „Die hohen Kupons sind eine Art Puffer, die selbst leichte Kursverluste ausgleichen können“, betont Gaiser. Schon allein durch die hohen laufenden Erträge seien Junk-Bonds derzeit attraktiver als Unternehmensanleihen mit einem Investment-Grade-Rating oder Staatsanleihen, meint auch Hansmann.

Außerdem entwickeln sich Junk-Bonds relativ unabhängig von Aktien und Staatsanleihen. „Deshalb reduzieren hochverzinsliche Unternehmensanleihen als Beimischung die Volatilität des Portfolios“, betont Gaiser. Zudem werde die Suche nach Anlagen mit hoher Rendite die Nachfrage nach Junk-Bonds weiter hochhalten. Dass dem so ist, zeigte in der vergangenen Woche die Emission des italienischen Telekomunternehmens Wind SpA, das durch eine schuldenfinanzierte Übernahme von einem Finanzinvestor gekauft wurde. Wind begab zehnjährige Junk-Bonds über 825 Mill. Euro und 500 Mill. Dollar und bekam dafür Kaufaufträge über insgesamt rund vier Mrd. Euro. Hansmann hält die Wind-Anleihe im Vergleich zu ausstehenden Krediten des Unternehmens nicht für attraktiv. Generell werde es jetzt wieder wichtiger, nach Firmen mit guten Wachstumsaussichten und vergleichsweise geringer Verschuldung zu suchen, meint er.

Größere Positionen halten Credit Suisse Asset Management, WestAM und Threadneedle in Seat Pagine, dem Anbieter der italienischen Gelben Seiten. Auch Anleihen von GMAC, der Finanzierungstochter des krisengeschüttelten US-Autokonzerns General Motors, finden sich in den Portfolios. Hansmann hat GMAC-Bonds aber untergewichtet.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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