Kursverluste
Dunkle Wolken über Junk-Bonds

Die Krise an den Kapitalmärkten hat die Anleihen von Unternehmen mit schwacher Kreditwürdigkeit deutlicher erwischt, als viele Strategen erwartet hatten. Einige Experten hoffen nun auf Besserung, doch vorerst bleibt die Lage unsicher.

FRANKFURT. Zum ersten Mal seit fünf Jahren machten Anleger mit den sogenannten Junk-Bonds (Schrottanleihen) Verluste. Die Kursverluste von im Schnitt über zehn Prozent konnten durch die hohen Zinsscheine nicht ausgeglichen werden. Deshalb verbuchen auf Euro lautende Junk-Bonds nach Daten von Merrill Lynch in diesem Jahr durchschnittlich ein Minus von 1,7 Prozent.

Einige Experten hoffen jetzt auf Besserung, aber es gibt viele Unsicherheitsfaktoren. „Die große Unbekannte ist nicht das tatsächliche Risiko am Markt, sondern die Risikoscheu“, sagt Roman Gaiser, Fondsmanager für hochverzinsliche Unternehmensanleihen bei Threadneedle. In der Tat gibt es zu Junk-Bonds eher positive Nachrichten. Die weltweite Ausfallrate sank nach Daten der Ratingagentur Moody’s bis Ende November auf ein Prozent und damit den niedrigsten Stand seit 1981.

Bis Ende kommenden Jahres prognostiziert die Agentur aber eine Vervierfachung der Ausfallrate. Der Grund: Ein schwächeres Wirtschaftswachstum und eine möglicherweise restriktivere Kreditvergabe der Banken würden gerade die riskanten Anleiheschuldner treffen. Bei einer deutlichen Rezession könnten die Ausfallraten sogar auf bis zu 7,5 Prozent steigen, meinen die Kreditstrategen von Barclays Capital. Bei einer lediglich moderaten Abschwächung der Konjunktur seien dagegen Ausfallquoten von vier Prozent realistisch.

„Die impliziten Ausfallraten in den Junk-Bond-Bewertungen sind schon jetzt recht hoch“, meint Gaiser. Im Gegenzug zu den gefallenen Kursen sind die Renditen und Risikoaufschläge der Hochzinsanleihen gestiegen. Die Risikoaufschläge, also die Renditeabstände von Junk-Bonds zu Staatsanleihen, haben sich für auf Euro lautende Papiere seit Jahresanfang auf knapp 4,9 Prozentpunkte mehr als verdoppelt und liegen auf dem höchsten Stand seit über drei Jahren. Damit erwarte der Markt eine Ausfallrate von fünf bis sechs Prozent, meinen die Experten von ING Investment Management, die selbst eine Ausfallrate von lediglich anderthalb bis zwei Prozent prognostizieren.

„Die Ausfallraten werden nicht so deutlich steigen, wie viele befürchten“, meinen auch die Strategen von JP Morgan. Die meisten Unternehmen mit schlechter Kreditwürdigkeit hätten sich in den vergangenen Jahren gut durchfinanziert und von daher keinen Bedarf an neuem Kapital. Deshalb würden sie durch die gestiegenen Refinanzierungskosten auch kaum belastet. Entsprechend erwartet JP Morgan, dass die Risikoaufschläge (Spreads) im kommenden Jahr sinken und Junk-Bonds Gesamterträge von sechseinhalb Prozent abwerfen werden.

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