Länderrating
Das Vertrauen in Athen schrumpft

Die Beteuerungen der griechischen Politiker nützen nichts. Auch die Rating-Agentur Feri befürchtet, dass Athen schon bald nicht mehr zahlungsfähig ist. Einige Euro-Länder dürfen sich aber über bessere Noten freuen.
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DüsseldorfErst am Wochenende hatte der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis versichert: „Es gibt absolut kein Liquiditätsproblem.“ Doch an der Verlässlichkeit solcher Aussagen zweifeln nicht nur Politiker der Euro-Länder, sondern auch Rating-Agenturen. In ihrem jüngsten Länderrating bewertet die Agentur Feri die Bonität des Landes nur noch mit der Note CCC.

„Trotz der Ende Februar im Grundsatz beschlossenen Fortführung des laufenden Hilfsprogramms hat die griechische Regierung bislang nicht die zugesagten Voraussetzungen zur Auszahlung der ausstehenden Gelder geschaffen“, so Axel Angermann, Leiter Economics bei Feri. „Ob dies bis Ende April gelingt, erscheint derzeit ungewiss.“ Darüber hinaus habe die Unsicherheit infolge des offenbar zu einem deutlichen Rückgang der Steuereinnahmen und zu Kapitalflucht in erheblichem Ausmaß geführt.

Die tatsächliche Lage der staatlichen Finanzen könne in Ermangelung aktueller Daten im Moment nicht verlässlich abgeschätzt werden. „Angesichts dessen kann nicht ausgeschlossen werden, dass bereits in den kommenden Wochen die griechische Regierung ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Gläubigern nicht erfüllen kann“, sagt Angermann.

Schlechtere Noten gibt es auch für Russland (BB) und die Ukraine (CCC+). Der Verfall der Ölpreise, die Rubelschwäche und die Wirtschaftssanktionen führen zu einer scharfen Rezession der russischen Wirtschaft im Jahr 2015. „Auch für das Jahr 2016 ist bestenfalls mit einer leichten Erholung zu rechnen“, prognostiziert Angermann. Aktuell weise der Staatshaushalt ein Defizit auf und auch in den kommenden Jahren sei mit einem defizitären Haushalt zu rechnen. Eine Belastung für Russlands Bonität seien außerdem die anhaltenden Unsicherheiten hinsichtlich einer Lösung der Ukraine-Krise und das damit verbundene Risiko einer weiteren Verschärfung von Sanktionen.

Negativ fällt die Bewertung der Rating-Agentur auch für die Ukraine aus: Das Land kann bereits heute seine Zahlungsverpflichtungen nur mittels internationaler Hilfen und anderer Kredite seitens des IWF erfüllen. „Mit der Forderung des IWF, die Gläubiger an einem neuen Hilfsproxgramm zu beteiligen, wird ein Schuldenschnitt und damit verbunden ein teilweiser Zahlungsausfall in den kommenden Monaten wahrscheinlich“, folgert Angermann.

Doch es gibt auch positive Veränderungen in den Ratings: Eine verbesserte Bonität attestiert Feri den Ländern Spanien (A-), Portugal (BBB), Irland (A-), Estland (A) und Litauen (A-). Grund dafür seien „erfolgreiche Strukturreformen und Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung“. Außerdem sei das Defizit des staatlichen Haushalts ist in allen diesen Ländern rückläufig. „Gute Wachstumsperspektiven lassen eine Fortsetzung dieses Trends auch in den kommenden Jahren wahrscheinlich erscheinen“, so Angermann. Das Ratingkomitee hat die Beschlüsse am 11. März gefasst.

Handelsblatt-Finanzkorrespondentin Katharina Schneider.
Katharina Schneider
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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  • Haben nicht " Fachleute " bis zum Gehtnichtmehr Kredite an Griechenland vergeben ? Warum wurde die Meldung der Schweiz 2010 über Steuerflucht
    der reichen Griechen nicht der damaligen Regierung nicht zur Auflage der
    Rückforderung gemacht ?

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