Land hat sich zum soliden Schuldner gemausert – Risiken drohen bei steigenden US-Rendite: Russische Anleihen stehen bei Experten hoch im Kurs

Land hat sich zum soliden Schuldner gemausert – Risiken drohen bei steigenden US-Rendite
Russische Anleihen stehen bei Experten hoch im Kurs

Anleihen aus Russland sind die Favoriten von Experten für Schwellenländer. Seit die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) das Land vor gut zwei Wochen mit der Note „BBB-“ in den Olymp der soliden Schuldner erhob, sind die Kurse der Bonds nochmals leicht gestiegen und ihre Renditen gesunken.

cü FRANKFURT/M. Im Schnitt bieten russische Fremdwährungsanleihen, die auf Dollar lauten, nur noch 1,90 Prozentpunkte mehr Rendite als US-Staatsanleihen. Vor zweieinhalb Jahren lagen die Risikoaufschläge noch bei über sechs Prozentpunkten. Dafür ist aber auch das Risiko der Bonds gesunken.

Russland hat inzwischen mehr Fremdwährungsreserven als Schulden. Das war für S&P das Hauptargument für die Heraufstufung, obwohl die Agentur gleichzeitig vor wachsenden politischen Risiken in Russland warnte.

„Die Heraufstufung durch S&P war überfällig“, sagt Ronald Schneider, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management. Moody’s setzte das Rating für Russland schon im Oktober 2003 auf „Baa3“ und Fitch im November 2004 auf „BBB-“ hoch. Diese Ratings entsprechen der untersten Stufe des sicheren „Investment Grade“. Fondsmanager Schneider erwartet – wie viele Banken – zwar zunächst keine großen Kursgewinne bei russischen Anleihen mehr, aber er rechnet mit einer stabilen Entwicklung. In Russland selbst sieht Schneider kaum Risiken, die zu Kursverlusten führen könnten. Er geht davon aus, dass sich das Wachstum der russischen Wirtschaft abkühlt, aber Russland insgesamt weiter vom globalen Umfeld und den hohen Rohstoffpreisen profitieren werde. Die Commerzbank prognostiziert, dass die russische Wirtschaft in diesem Jahr um rund 5,5 Prozent wachsen wird, nach 6,6 Prozent im Vorjahr.

Als Hauptrisiko für die Entwicklung russischer Bonds gilt die Entwicklung der US-Staatsanleihen, von der sich die Anleihen von Schwellenländern nur schwer abkoppeln können. Für die USA erwarten Strategen schon länger fallende Kurse bzw. steigende Renditen. Die russische Investmentbank United Financial Group meint aber, dass sich russische Bonds auch bei einem Renditeanstieg in den USA behaupten werden, weil jetzt viel mehr Investoren die Anleihen kaufen können. Zahlreiche Fonds und Versicherer dürfen nur in Anleihen mit dem Gütesiegel „Investment Grade“ investieren.

Dmitry Shishkin, Analyst für Schwellenländeranleihen bei der WestLB in London, geht auf Sicht von drei Jahren davon aus, dass sich die die Risikoaufschläge der russischen Anleihen noch einmal halbieren werden.

Für Privatanleger empfiehlt sich bei russischen Anleihen die Anlage in Fonds. Denn Russland hat nur eine einzige Anleihe in Euro ausstehen, die schon Ende März fällig wird. Die meisten Fremdwährungsanleihen aus Russland lauten auf US-Dollar, weil sich die russische Zentralbank vor allem an der US-Devise orientiert. Fonds können sich gegen die Wechselkursrisiken absichern. Daneben gibt es die Russland-Anleihen, mit denen Deutschland im vergangenen Jahr seine Forderungen gegen Russland verbrieft hat. Die lauten zwar auf Euro, kosten aber pro Stück rund 250 000 Euro.

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