Landesbank wagt die Platzierung eines neuen Pfandbriefs
LBBW prescht mit Jumbo vor

Zum ersten Mal seit fast einem halben Jahr hat eine deutsche Bank wieder einen Jumbo-Pfandbrief an den Markt gebracht. Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) platzierte am Mittwoch ein solches Papier im Volumen von einer Mrd. Euro und einer Laufzeit von fünf Jahren. Analysten bezweifeln aber, dass sich die Lage am Markt für Jumbo-Pfandbriefe dadurch nachhaltig entspannen wird.

FRANKFURT. "Die Platzierung hat sicher Signalwirkung für andere Emittenten - ist für die LBBW aber auch teuer und stellt die Rentabilität des öffentlichen Pfandbrief-Geschäfts in Frage", sagt Analyst Leef Dierks von Barclays Capital.

Der Jumbo der LBBW ist durch Staatskredite gedeckt. Der Risikoaufschlag lag bei 0,75 Prozentpunkten über dem fünfjährigen Swap-Satz. Einen so hohen Aufschlag musste noch keine deutsche Bank für einen Staatskredit-Jumbo zahlen. Swap-Sätze sind der Preis zum Tausch fester gegen variable Zinsen. Der fünfjährige Satz lag bei 3,03 Prozent. Ihren letzten Jumbo hatte die LBBW vor gut einem Jahr begeben und konnte sich dabei mit einem Abschlag von 0,01 Prozentpunkt zum Swap-Satz refinanzieren. Auf dem gleichen Niveau begab auch die Münchener Hypothekenbank, Ende August als letztes deutsches Haus einen Jumbo.

"Die aktuelle Emission zeigt, dass die Pfandbrief-Häuser in der Realität angekommen sind und bereit sind, Aufschläge zu zahlen, die vor einem Jahr noch undenkbar gewesen wären", sagt Dierks. Seit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers und der Beinahe-Insolvenz der Hypo Real Estate sind auch deutsche Pfandbriefe extrem unter Druck geraten. Der Handel mit den Papieren funktioniert schon viel länger nicht mehr reibungslos, weil Banken nicht bereit sind, große Jumbo-Bestände in ihre Bücher zu nehmen. Auch das dürfte ein Grund für den hohen Aufschlag des LBBW-Jumbos sein. Im Handel liegen die Aufschläge von fünfjährigen mit Staatskrediten gedeckten Jumbos im Schnitt bei 0,35 Prozentpunkten. Der satte Aufschlag des LBBW-Papiers dürfte auch die Risikoprämien anderer Jumbos nach oben ziehen, erwartet Dierks. Bei Investoren kam der neue Jumbo gut an und war nach nur einer Stunde dreifach überzeichnet. Jörg Huber, Leiter des Bond-Syndikats bei der LBBW, wertete dies als Beleg, dass sein Haus Stärke in einem schwierigen Markt zeige.

Neue Jumbos in diesem Jahr gab es bislang nur von BNP Paribas und Crédit Agricole. Sie begaben Covered Bonds - so der internationale Name für Pfandbriefe - im Jumbo-Format über 1,5 und 1,25 Mrd. Euro, die mit Hypotheken gedeckt waren. Da Hypotheken als riskantere Deckungsstock als Staatskredite gelten und die Emissionen nicht gesetzlich geschützt sind, zahlten die Franzosen mit 1,10 und 1,35 Prozentpunkten noch höhere Aufschläge über den Swap-Sätzen als die LBBW. Im vergangenen Jahr kamen laut Barclays Capital Jumbo-Covered Bonds über 93 Mrd. Euro auf den Markt, im Jahr davor waren es 152 Mrd. Euro. Analysten sind sich einig, dass diese Volumina 2009 bei Weitem nicht erreicht werden.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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