Lang laufende Anleihen sind anfälliger für steigende Zinsen
Profis empfehlen kurze Laufzeiten

Die Unsicherheit auf den Anleihemärkten diesseits und jenseits des Atlantiks wächst. Bislang liegen die Renditen für zwei-, fünf- und zehnjährige deutsche Staatsanleihen zwar noch unter den Ständen vom Jahresanfang – doch das dürfte sich nach Meinung der meisten Experten bald ändern. Damit drohen Anleihebesitzern Kursverluste.

FRANKFURT/M. Seit dem überraschend positiven US-Arbeitsmarktbericht Anfang des Monats sehen Investoren Anleihen jedenfalls wieder pessimistischer. Die Renditen der Bonds stiegen über alle Laufzeiten, und die Kurse sanken entsprechend. Denn wenn der US-Arbeitsmarkt weiter anzieht, sind die Befürchtungen vor einer so genannten Jobless Recovery – also einer wirtschaftlichen Erholung ohne Neueinstellungen – vom Tisch. Diese Sorgen waren zuletzt eine der Stützen des Rentenmarkts. Jetzt rücken jedoch die Ängste vor einer Leitzinserhöhung wieder in den Vordergrund. Denn die US-Notenbank Federal Reserve hat bereits mehrfach betont, dass sie ihre Geldpolitik vor allem von der Entwicklung des US-Arbeitsmarkts abhängig machen wird. Dazu kamen vergangene Woche über den Erwartungen liegende Inflationsdaten aus den USA. Höhere Teuerungsraten sind Gift für die Kurse festverzinslicher Wertpapiere. US-Staatsanleihen rentieren deshalb auch schon höher als zu Beginn des Jahres.

Für Anleger heißt das nach Meinung von Experten, dass sie sich wieder auf Anleihen mit kürzerer Laufzeit konzentrieren sollten. „Das Risiko, dass die Renditen über alle Laufzeiten steigen, ist wieder gestiegen“, sagt Norbert Wuthe, Rentenanalyst bei der DZ Bank. Auch sein Kollege Johannes Rudolph von HSBC Trinkaus & Burkhardt rät deshalb zu Anleihen mit Laufzeiten von maximal vier Jahren.

Diese Tipps gelten vor allem für Anleger, die ihre Bonds vor Ende der Laufzeit verkaufen wollen. Denn bei kurz laufenden Bonds sind die Kursverluste bei gleich steigenden Renditen geringer als bei Anleihen mit langer Laufzeit. „Das liegt daran, dass das Kapital bei Langläufern länger gebunden ist“, erklärt Ralf Welge, Leiter der Zinsstrategie bei Commerzbank Securities.

Wie stark die Kurse fallen, wenn die Rendite steigt, errechnet sich dabei grob gesehen mit der Kennzahl „modifizierte Duration“ (Modified Duration, s. Kasten). Sie ist eine Abwandlung der Duration. Die gibt an, wie lange es im Schnitt dauert, bis das Kapital zurückgezahlt wird. Denn über die Zinserträge bekommen die Anleger einen Teil ihres Geldes schon vor Ende der Laufzeit zurück. „Die Modified Duration hilft, das Risiko, das von den Kursschwankungen der Anleihen ausgeht, messbar zu machen“, erklärt Wuthe.

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