Langfristige Papiere

Irlands platziert neue Anleihe

Es könnte der Beweis sein, dass EU-Sparauflagen nicht zwingend zu einer Abwärtsspirale führen müssen. Irland begibt erstmals wieder langfristige Staatspapiere. Am kurzfristigen Geldmarkt war das Land bereits erfolgreich.
Update: 26.07.2012 - 20:45 Uhr 17 Kommentare
Auch Irland steht unter dem Rettungsschirm. Das Land hat sich zurück an den Kapitalmarkt gekämpft. Quelle: Reuters

Auch Irland steht unter dem Rettungsschirm. Das Land hat sich zurück an den Kapitalmarkt gekämpft.

(Foto: Reuters)

DublinIrland ist dem Ende seines internationalen Hilfsprogramms am Donnerstag einen großen Schritt nähergekommen. Die Regierung verkaufte zum ersten Mal seit dem Jahr 2010 überraschend Anleihen mit einer langen Laufzeit und nahm damit 4,2 Milliarden Euro ein. Die Bonds werden nach fünf beziehungsweise acht Jahren fällig. Finanzminister Michael Noonan erklärte, die Emission sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zurück zur wirtschaftlichen Souveränität. Besonders das Interesse von ausländischen Investoren und dabei vor allem aus den USA sei groß gewesen.

Die Zinssätze für die Papiere lagen bei 5,9 beziehungsweise 6,1 Prozent. Das ist zwar deutlich höher als für Kredite aus dem Rettungspaket, die mit drei Prozent verzinst werden. Aber Spanien musste etwa in der vergangenen Woche für fünfjährige Anleihen einen Zinssatz von 6,4 Prozent bieten.

Einer Mitteilung der irischen Schuldenagentur National Treasury Management Agency zufolge bot die NTMA Anleihen mit einer Laufzeit bis Oktober 2017 sowie 2020 fällige Anleihen. Darüber hinaus hat Irland vor, Bonds mit Fälligkeit 2013 und 2014 in Papiere mit Fälligkeit 2017 und 2020 umzutauschen, wobei den Investoren höhere Renditen geboten werden.

Fergal O'Leary, Direktor bei Glas Securities in Dublin, begrüßte die Ankündigung und sagte weiter: „Das könnte die Ratingagenturen veranlassen, eine positivere Haltung zu Irland einzunehmen“. Irland hatte im Juli bereits erstmals seit fast zwei Jahren den Geldmarkt wieder erfolgreich angezapft und 500 Millionen Euro beschafft.

Moody's Investors Service benotet die Kreditwürdigkeit Irlands mit „Ba1“ und negativem Ausblick in der Kategorie “Ramsch”. Bei den Ratingagenturen Standard & Poor's sowie Fitch Ratings wird das Land immer noch in der Kategorie „Investment Grade“ eingestuft.

„Wir sind überzeugt, dass die Ratingagenturen Irland von der Beobachtungsliste für eine Herabstufung nehmen werden, wenn das Land wieder Zugang zum Kapitalmarkt hat”, sagte John Hydeskov Analyst bei der Danske Bank A/S, in London in einer Mitteilung für Investoren. „Wir wären nicht überrascht, wenn Irland bald im Hinblick auf eine Heraufstufung zurück in die Klasse ‘Investment Grade' unter Beobachtung genommen wird”, schrieb er weiter.

Die Rendite zweijähriger Irland-Anleihen fiel nach der Ankündigung der NTMA erstmals seit November 2010 unter die Marke von vier Prozent und war zuletzt bei 3,67 Prozent 31 Basispunkte niedriger.

  • Bloomberg
  • rtr
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17 Kommentare zu "Langfristige Papiere: Irland zahlt weniger für frische Anleihen als Spanien"

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  • @Rechner das ist eine recht interessante Gegenüberstellung der "Veränderung der Ausgaben für Löhne und Gehälter der Staatsbediensteten 2001 - 2011". Hätten sie hier auch einen Link zur Quelle?

  • 'jogibaer2103' sagt
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    Was mir an den Iren wirklich gefällt ist wie sie die Einsparungen des Staates hingenommen haben. Eine mir bekannte Lehrerin hatte 25% weniger net income seit 2008.
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    Äh - nun ja:

    Die Ausgaben für Gehälter der Staatsbediensteten sind in Irland zwischen 2001 und 2008 um 105,7% gestiegen.

    Um von 2008 bis 2011 dann um 11,6% zu fallen.

    Sie waren also 2011 immer noch 82,1% höher als 2001.

    So sieht wahre Opferbereitschft aus ;)

    Zum Vergleich:

    Veränderung der Ausgaben für Löhne und Gehälter der Staatsbediensteten 2001 - 2011:

    Zypern 101,3%
    Irland 82,1%
    Spanien 78,9%
    Griechenland 71,1%
    Belgien 53,2%
    Italien 29,2%
    Deutschland 20,2%
    Portugal 3,9%

  • @guenni7

    die Steuern in Europa werden eh angepasst oder verrechnet mit den Ausgaben im jeweiligen Staat um die Defizitregeln einhalten zu können. (Im Falle von Irland der Wunsch nach einem niedrigen Steuersatz bei gleichzeitig niedrigen Saatsausgaben)

    Irland wird (sollte) seine zusätzlichen Einnahmen zur Schuldentilgung nutzen und einen eventuellen Gewinn wird es dann zum Nettozahler in Europa machen. Warum sollte es daran interesse haben?

    Man muss sich schon fragen warum Irland sich gerade jetzt eine €5 Milliarden Anleihe (fast die Hälfte der angepeilten €10 Milliarden irischen Staatsanleihen für die kommenden 18 Monate) zu einem Zinsatz von 6% leistet. Irland bekommt doch noch Geld zu 3% bis Ende 2013 aus dem Rettungspaket und dann später, möglicherweise zu noch besseren Konditionen, aus dem ESM.

    Die heutige Anleihe wird dem irischen Staat schlappe €300 Millionen in Zinsen im Jahr kosten die heftig aufs Staatsdefizit drücken helfen werden.

    Ich nehme an das war nur ein Test, denn im Januar 2014 muss Irland eine fällige Anleihe in Höhe von €18 Milliarden bedienen die bis heute unbedienbar erschienen ...



  • Haben Sie mal gefragt was die Lehrerin in Irland verdient?

  • @digiteach

    Natürlich bleiben die in der EU, sonst würde das "Geschäftsmodell" mit der geringen Steuer nämlich nicht mehr funktionieren, das geht nur EU-intern.

  • Was mir an den Iren wirklich gefällt ist wie sie die Einsparungen des Staates hingenommen haben. Eine mir bekannte Lehrerin hatte 25% weniger net income seit 2008. Die haben einfach weiter gearbeitet, nicht gestreikt, verstanden um was es geht, bei ebenfalls rückläufigem BIP. Ganz im Gegensatz zu unserer Freunden in Griechenland und Spanien, die streiken lieber und fragen nach mehr Solidartät. Und meinen aber mehr Geld.

  • @Rechner

    Ein komplexes Thema aber mit der Körperschaftsteuer in Irland kann es so nicht weitergehen. Google versteuert bereits jetzt schon seinen kompletten Werbegewinn den das Unternehmen in Grossbritanien macht in Irland. Gewinne sollten in dem Steuerraum besteuert werden in dem sie entstehen.

    Es wird in diesem Jahr (2012) ein fast €20 Milliarden grosses Defizitloch im irischen Haushalt klaffen. Dennoch gibt es keine Grundsteuer in Irland. Jeder Häuslebauer in Deutschland kann sich da nur sehr wundern warum er ein anderes Land finanzieren soll in dem es nicht einmal eine vergleichbare Grundstückssteuer gibt. Und darüber hinaus gibt es ja noch einige hundert Milliarden Euro die in den letzten 15 Jahren, also während der Immobilienblase, den Besitzer gewechselt haben und jetzt bei einigen reichen Iren gehortet werden. Diese Quellen sollte man aktivieren bevor man wieder Geld von EU anfordert.

    Ich bin auch nicht begeistert von der Idee Irland als Zentrum für Credit Default Swap (CDS) mit Steuergeldern zu fördern wie vom irischen Finanzministerium vorgesehen.

    Aber ich teile ihre Meinung Irland wird wohl das erste Land sein das aus der Troika-Klinik entlassen wird. Und Irland ist bei weitem kein armes Land, ganz im Gegenteil schauen sie sich mal die Firmen an die in Irland ihr Steuerhaus errichtet haben. Das lässt deutsche Steuer-CDs in der Schweiz blass aussehen.

    Übrigens glauben Sie dass Irland noch lange in der EU bleiben wird wenn es in nicht allzu ferner Zukunft Nettozahler werden sollte?





  • Sowohl den Iren wie den Portugiesen wird hier Unrecht getan.
    Es gibt mehr Iren in USA als in Irland , sodass wohl auch viele irische Anleihen von Übersee gezeichnet wurden. Im übrigen hat die irische Regierung, die vor allem von Schattenbanken verursachten Schulden übernommen. Nicht wie in Spanien, wo man drängt nicht Verantwortung für die spekulativen Bankschulden übernehmen zu müssen.
    Und die Portugiesen bekommen weniger Geld als die Griechen, aber man hört wenig von ihnen,,,
    weil sie bei der Arbeit sind.
    Außer Barroso der in Griechenland weilt !

  • 'digiteach' sagt:
    ----------------------
    Ach sie beziehen sich wohl auf das Double Irish im Dutch Sandwich mit dem Irland als Beachhead für amerikanische Firmen Geld am deutschen Fiskus vorbei (ver)steuert und dafür eine €4 Milliarden Kommission kassiert sozusagen als EU Einfallstor.
    ----------------------

    Davon gehe ich auch aus.

    Was kann man dagegen tun?

    Selber den Körperschaftssteuersatz senken!

    ********

    'digiteach' sagt:
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    Machen sie sich nichts vor kein anderes Land in der Eurozone hat mehr Schulden pro Kopf als Irland.
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    Stimmt - aber so groß sind die Unterschiede nicht (2011):

    Irland: 37.782
    Griechenland: 32.964
    Belgien: 33.032
    Italien: 30.541
    Deutschland: 27.372

    ********

    'digiteach' sagt:
    ----------------------
    Die irischen Banken, die korrupten Politiker und Bauentwickler haben das Land für die nächste Generation systematisch zerstört.
    ----------------------

    Falls Sie hier die privaten Schulden einrechnen wollen, die in Irland überwiegend die Hypothek auf's eigene Häuschen sind, dann sollten Sie auch beachten, daß dieses Geld Iren überwiegend anderen Iren Schulden.

    Die Investmentbilanz Irlands war 2010 jedenfalls noch 76 Milliarden im positiven Bereich.

    Und dürgte auch jetzt noch mehr oder weniger ausgeglichen sein.

  • Irlands Leistungsbilanzdefizit war nie so groß wie dass der übrigen Krisenstaaten. Auch die Struktur der irischen Volkswirtschaft ist bei allen Problemen im Immobiliensektor im Gegensatz zu Spanien intakt geblieben. Insofern verwuundert es nicht, dass Irland den Turn-around zu schaffen scheint. Elbers hat das in "Das Euro Desaster" auch prognostiziert.
    Zugleich sagt Elbers voraus, dass der Sparkurs in Spanien, Griechenland und auch Portugal zu katastrophalen Verwerfungen führen wir. "Das Euro-Desaster kann auf der Homepage des ifo-Instituts gratis bezogen werden. M.E. die beste Analyse und Darstellung der Euro-Krise:

    http://www.cesifo-group.de/portal/page/portal/ifoHome/B-politik

    Ein guter Situationsbericht zur aktuellen Lage in Spanien findet sich hier:
    http://www.querschuesse.de/spanien-dramatische-lage/



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