Langjährige Papiere
Deutschland patzt bei Anleiheauktion

Wegen niedriger Zinsen ist die Versteigerung einer Anleihe mit 32-jähriger Laufzeit auf geringe Resonanz gestoßen. Papiere im Wert von knapp 2,75 Milliarden Euro wurden abgenommen - angeboten wurden drei Milliarden Euro.
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Frankfurt/MainDer aus Anlegersicht „sichere Hafen“ Deutschland hat zur Wochenmitte Probleme bei einer Auktion 30-jähriger Staatsanleihen bekommen. Die neuen Papiere trafen auf eine geringe Nachfrage, so dass der deutsche Staat seine geplante Kreditaufnahme deutlich verfehlte. An den Sekundärmärkten, wo umlaufende Anleihen gehandelt werden, gerieten deutsche Staatspapiere unter Druck. Experten warnten jedoch vor Panik:

Angesichts eines Zinsniveaus für deutsche Papiere nahe Rekordtief hielten sich viele Investoren mit langfristigen Engagements zurück, hieß es bei der Commerzbank. Dennoch ging die Auktion alles andere als glatt über die Bühne. Bei einer Nachfrage von lediglich 2,75 Milliarden Euro war die Auktion deutlich unterzeichnet. Eigentlich wollte der Bund drei Milliarden Euro aufnehmen.

Wegen des geringen Anlegerinteresses sammelte der Staat nur 2,41 Milliarden Euro ein. Trotz der ungewöhnlich schwachen Nachfrage lag die zu zahlende Rendite auf einem Rekordtief in dieser Laufzeit. Sie betrug 2,41 Prozent. Der Kupon - also die Nominalverzinsung der Anleihe - lautet auf 2,5 Prozent. Er lag damit deutlich unter dem Kupon der letzten Versteigerung 30-jähriger Papiere von Anfang 2012. Seinerzeit hatte der Nominalzins einen dreiviertel Prozentpunkt höher bei 3,25 Prozent gelegen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Deutschland bei einer Anleihe-Auktion patzt: Für Aufregung hatte insbesondere eine Versteigerung zehnjähriger Titel im Herbst 2011 gesorgt. Seinerzeit blieb Deutschland auf rund einem Drittel seiner Papiere sitzen. Daraufhin hatte eine Diskussion eingesetzt, ob Deutschland überhaupt noch als sichere Zuflucht vor der Schuldenkrise angesehen werden könne. Damals war der Anleihe-Kupon mit zwei Prozent so niedrig wie noch nie angesetzt worden - für Experten ein wichtiger Grund für die sehr schwache Nachfrage. Zuletzt war Anfang April eine Auktion zehnjähriger Titel auf eine schwache Nachfrage gestoßen.

Auch die aktuelle Versteigerung rief bei Experten Enttäuschung hervor. „Im Gegensatz zu der schwachen Herbst-Auktion haben wir aber jüngst mit Problemen gerechnet“, sagte Anleiheexperte Rainer Guntermann von der Commerzbank. Er nannte insbesondere das ungewöhnlich große Volumen der Auktion als Grund für das schwache Ergebnis.

„Bei einem so niedrigen Zinsniveau zieren sich die Anleger zuzugreifen“, sagte Analyst Nick Stamenkovic von RIA Capital Markets. „Sie erzielen keine reale Rendite mit diesen Anleihen und halten sie nur, um ihr Kapital zu sichern.“ Wegen der wiederaufgeflammten Sorgen um das von hohen Schulden, Rezession und Rekordarbeitslosigkeit gebeutelte Spanien scheuen Anleger Investitionen in kriselnden Euro-Staaten. Davon profitiert das als sicherer Hafen geltende Deutschland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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