Langlaufende Anleihen
Anleger leihen Argentinien Geld für 100 Jahre

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Mit der Laufzeit steigen die Risiken

Seither haben sich Argentiniens Anleihen – wie die vieler anderer Schwellenländer – gut entwickelt; die Kurse stiegen und die Renditen fielen für Neueinsteiger. Die längste Laufzeit der im April 2016 platzierten Anleihen lag bei 30 Jahren. Begeben wurde dieser Bond mit einer Rendite von acht Prozent, inzwischen ist sie auf 7,2 Prozent gesunken.

Auch Argentiniens Aktienmarkt boomt: Der Merval-Index ist in diesem Jahr um 28 Prozent gestiegen. Ökonomen schätzen, dass Argentiniens Wirtschaft in diesem Jahre um 2,7 Prozent wachsen wird. Im vergangenen Jahr Jahr schrumpfte sie noch um 2,3 Prozent.

Für Argentinien sei die Schuldenaufnahme aktuell sehr günstig, betont Micheal Roche, Stratege beim US-Broker Seaport Global Holdings. Er kann nachvollziehen, dass sich das Land die niedrigen Zinsen so lange wie möglich sichern will. Dennoch sind 100 Jahre eine sehr lange Laufzeit für Anleihen. Es gibt nur wenige Schuldner, die sich über einen so langen Zeitraum Geld leihen. Den Anfang machte bereits im Jahr 2010 Mexiko mit einer 100-jährigen Dollar-Anleihe. Sie rentiert aktuell mit 4,4 Prozent. Dafür hat Mexiko aber auch eine höhere Bonität als Argentinien und wird von den Ratingagenturen mit dem Gütesiegel Investment-Grade für sichere Schuldner eingestuft.

Außer Mexiko und Argentinien hat bislang nur Irland eine 100-jährige Anleihe begeben, allerdings war diese vom Volumen her sehr klein und wurde bei nur wenigen Investoren privat platziert. Dazu kam eine 100-jährige Anleihe, die Großbritannien während des ersten Weltkrieges platzierte und im Jahr 2014 tilgte.

Außerdem haben einige Unternehmen wie der brasilianische Ölkonzern Petrobras und der französische Versorger EDF eine 100-jährige Anleihen begeben. Dafür sind Anleihen mit 50 Jahren Laufzeit in den vergangenen Jahren immer häufiger auf den Markt gekommen: im Euro-Raum unter anderem aus Frankreich, Italien, Spanien und Österreich.

Mit der Laufzeit steigen allerdings auch die Risiken. Und das nicht nur mit Blick auf die Frage, ob ein Land in 50 oder 100 Jahren noch zahlungsfähig ist. Auch die Kurse schwanken bei Anleihen mit höheren Laufzeiten erheblich stärker als bei Kurzläufern, eben weil Anleger ihr Kapital so langfristig binden. Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten im vergangenen November fiel zum Beispiel der Kurs der 100-jährigen mexikanischen Anleihe im Vergleich zum August um mehr als 20 Prozent. Die Rendite stieg während dieser Zeit nur um einen Prozentpunkt von 3,9 auf 4,9 Prozent. Das zeigt: Anleger mit ewigen Bonds brauchen starke Nerven.

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Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Langlaufende Anleihen: Anleger leihen Argentinien Geld für 100 Jahre"

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  • Sehr geehrte Frau Cünnen,

    allein schon die hohe Rendite von 7,9 % signalisiert, dass die Anleihe als riskant einzustufen ist. Wie riskant, sollte sich eigentlich aus den Urteilen der drei Ratingagenturen ergeben, die Sie aber leider nicht zitieren.

    Kann man lernen, mit dem Risiko umzugehen? Ein Fondsmanager, der vielleicht 100 Anleihen in seinem Depot hat, kann auch einige Prozente an riskanten Anleihen beimischen. Und wenn er bei den betreffenden Ländern die Veränderungen der Kreditwürdigkeit scharf beobachtet, kann er bei verschlechterten Perspektiven seine riskanten Anleihen sofort verkaufen.

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