Laut Ratingagenturen
Rückschläge an Europas Anleihemärkten erwartet

Die Ratingagenturen warnen vor einem nahen Ende der Anleihen-Rally in Europa: Die gegenwärtig günstige Lage am Markt sei nicht nachhaltig. Außerdem sei eine weitere Herabstufung der verschuldeten Euro-Staaten möglich.
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LondonRatingagenturen warnen vor Rückschlägen an Europas Anleihemärkten. „Die gegenwärtig günstige Lage am Markt ist nach Einschätzung von Moody's nicht nachhaltig“, sagte der zuständige Moody's-Experte Alastair Wilson der Nachrichtenagentur Reuters. „Je länger die zugrundeliegenden Probleme nicht gelöst werden - Wachstum, Verschuldung, Institutionen -, desto größer ist das Potenzial eines weiteren Schocks.“ Die Agenturen halten eine weitere Herabstufung der hoch verschuldeten Euro-Staaten für möglich. Das birgt die Gefahr, dass die Anleihen aus wichtigen Fonds herausfallen und damit eine Verkaufswelle ausgelöst wird.

Am größten ist diese Gefahr bei Spanien, das derzeit von Moody's und Standard&Poor's nur eine Stufe über Ramsch-Niveau bewertet wird. Manche institutionellen Investoren halten nur Anleihen, die „Investment-Niveau“ haben, also nicht als Schrott eingestuft werden. Nach Schätzungen der US-Investmentbank JPMorgan könnten im schlimmsten Fall spanische Anleihen im Volumen von 30 bis 40 Milliarden Euro verkauft werden, das entspricht fünf bis sechs Prozent aller im Umlauf befindlichen Anleihen. Analysten gehen davon aus, dass lokale Banken und Hedge-Fonds die Anleihen kaufen, gestützt von billigem Zentralbank-Geld, aber höhere Zinsen verlangen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte 2012 angekündigt, alles zu tun, um den Euro zu schützen, und damit die Renditen für die angeschlagenen Euro-Staaten auf Talfahrt geschickt. Die lockere Geldpolitik zielt nach Angaben der EZB darauf ab, den nationalen Regierungen Zeit für dringend nötige Reformen zu verschaffen. Es besteht aber das Risiko, dass diese genau das Gegenteil täten, sagte Moritz Kraemer, bei Standard & Poor's zuständig für die europäischen Ratings. „Wenn die Bedingungen als locker empfunden werden, könnte der Anreiz geringer ausfallen, Reformen in Angriff zu nehmen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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