Leichte Gewinne bei Bonds und Terminkontrakten
Hoher Ölpreis stützt die Anleihemärkte

Die Anleihemärkte sind gut in die Woche gestartet. „Der hohe Ölpreis und die gleichzeitigen Verluste an den Aktienmärkten – das war am Morgen ein positiver Cocktail für die Renten“, sagte Christoph Rieger, Zinsstratege bei Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW).

HB FRANKFURT/M. Im asiatischen Handel war der Preis für amerikanisches Leichtöl der Marke WTI auf 70,80 Dollar je Barrel (159 Liter) geschnellt. Die hohen Ölpreise werden an den Renten- und Aktienmärkten als potenzielle Bremse für die Konjunktur gesehen. Das hilft den Rentenpapieren, die bei schwacher Wirtschaftsentwicklung von ihrem Ruf als sicherer Anlagehafen profitieren.

Im späteren Handel bröckelte der Ölpreis jedoch wieder ab und die Aktienmärkte drehten ins Plus. Beides begrenzte die Kursgewinne bzw. Renditerückgänge an den Anleihemärkten. Am Abend lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als richtungweisend für die Entwicklung der Renditen in der Euro-Zone gilt, bei 3,15 Prozent und damit auf dem Niveau des Vortags. Am Morgen war sie bis auf 3,12 Prozent gefallen.

Der Terminkontrakt Bund-Future stieg in der Spitze bis auf 123,76 Prozent und lag damit nur 0,30 Prozentpunkte unter seinem Rekordhoch, dass er nach den Terroranschlägen in London im Juli markiert hatte. Der Bund-Future scheiterte aber an der technischen massiven Widerstandszone zwischen 123,76 bis 123,78 Prozent, meinte Peter Müller, Zinsstratege bei Commerzbank Corporates and Markets. Zum Handelsende an der Terminbörse Eurex lag der Bund-Future bei 123,48 Prozent und damit nur noch 0,06 Prozentpunkt im Plus. Dabei waren die Umsätze an den Termin- und Kassamärkten angesichts des Feiertags in London sehr gering.

In den USA sank die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen leicht auf 4,17 Prozent. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen ging auf 4,05 Prozent zurück. Damit ist die Zinskurve – der Abstand zwischen kurz- und langlaufenden Staatsanleihen in den USA – weiterhin sehr flach.

Der Ölpreis dürfte die Rentenmärkte laut Strategen auch in den kommenden Tagen noch stützen. Die noch anstehenden besonders wichtigen US–Konjunkturdaten wie der Einkaufsmanagerindex des ISM-Instituts am Donnerstag und der Arbeitmarktbericht am Freitag dürften dagegen eher positiv ausfallenen und die Anleihemärkte von daher belasten, sagte Müller von der Commerzbank. DrKW rechnet dagegen – entgegen dem Konsens – damit, dass die Daten etwas schwächer ausfallen werden. Von daher sehen die Strategen der Investmentbank-Tochter der Dresdner Bank durch die Daten eine weitere Stütze für die Anleihemärkte.

Einig sind sich die Strategen darin, dass die am Donnerstag anstehende Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) die Bondmärkte voraussichtlich belasten wird. Zwar wird allgemein erwartet, dass die EZB den Leitzins unverändert bei zwei Prozent lässt. „Aber gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die EZB die Inflationsrisiken stärker betonen und ihre Inflationsprojektionen nach oben anpassen wird“, meinte Müller. Wie Rieger von DrKW geht er davon aus, dass dies vor allem das kurze Marktende belasten, also die Renditen zweijähriger Staatsanleihen nach oben treiben wird. Damit dürfte auch die Zinskurve in der Euro-Zone flacher werden. Gestern lag der Renditeabstand zwischen zwei- und zehnjährigen Bundesanleihen bei 0,93 Prozentpunkten.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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