Leitzinssenkungen
Bundesanleihen bringen wenig Rendite

Mit den Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) auf inzwischen nur noch 1,5 Prozent gingen auch die Effektivverzinsungen der Staatspapiere weiter zurück. Anleger, die langlaufende Staatsanleihen kaufen, bekommen dafür nur sehr wenig Rendite.

FRANKFURT. Zehnjährige Bundesanleihen - die als Maßstab für die langfristigen Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum gelten - werfen nur noch gut drei Prozent Rendite ab. Auch die Renditen von vielen Unternehmensanleihen sind gesunken, wenn auch nicht so deutlich wie die der deutschen Staatspapiere.

Auf kurze Sicht könnte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe nach Meinung der meisten Strategen noch etwas weiter zurückgehen, wenn die EZB wie erwartet den Leitzins noch weiter senkt. "Im Endstadium eines Zinssenkungszyklus ist das Potenzial für weiter fallende Renditen aber begrenzt", meint Ralf Umlauf, Zinsstratege bei der Helaba. Und für Investoren, die Anleihen bis zur Fälligkeit halten, beurteilt Umlauf langlaufende Bundesanleihen als wenig attraktiv, weil die Renditen schon jetzt so niedrig sind.

Viele Experten warnen zudem langfristig vor den Gefahren einer Inflation. Die Teuerungsraten stiegen immer dann deutlich, wenn Zentralbanken - wie derzeit die Notenbanken in den USA und Großbritannien - über den Ankauf von Staatsanleihen die Finanzierung der Staatsverschuldung übernahmen und dafür quasi frisches Geld druckten.

Sinkende Kapitalmarktzinsen hängen zudem nur mittelbar mit den Schritten von Zentralbanken zusammen: "Wenn Notenbanken die Leitzinsen senken, ist das konjunkturelle Umfeld schwach, und die Inflationsrate sinkt tendenziell", erklärt Umlauf von der Helaba. Dazu kämen dann noch die Erwartungen weiter fallender Leitzinsen.

Erwartungen und Umfeld sind mitunter wichtiger als der tatsächliche Schlüsselzins der Notenbanken. So lag die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe Anfang Oktober bei 3,75 Prozent und damit unter dem damaligen EZB-Zins von 4,25 Prozent. Die Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers und stetig neue Hiobsbotschaften aus dem Finanzsektor und Ängste vor einer Rezession ließen die Investoren aber schon seit Mitte September verstärkt zu sicheren Staatsbonds greifen.

Mitte Januar, als die EZB den Leitzins auf zwei Prozent senkte, fiel die zehnjährige Bund-Rendite auf 2,89 Prozent und damit ein historisches Tief. Seither haben die zumindest teilweise wieder etwas besser ausgefallenen Konjunkturdaten und die jüngsten Erholungstendenzen an den Aktienmärkten die Rendite wieder leicht anziehen lassen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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