Lobby-Organisationen fordern neue Verhandlungen
Geprellte Käufer von Argentinien-Anleihen geben nicht auf

Gut fünf Jahre nach dem Zahlungsausfall Argentiniens kämpft die Lobby der Käufer von Anleihen des Landes weiter. Deutsche und amerikanische Lobby-Organisationen wollen Argentien zu neuen Verhandlungen bewegen. Dazu sollen die wichtigsten EU-Staaten und die USA gemeinsam Druck auf Argentinien ausüben.

cü FRANKFURT. „Wir wollen Argentinien zurück an den Verhandlungstisch bringen“, sagte Robert Shapiro, einer der Sprecher der „American Task Force Argentina“, am gestrigen Dienstag in Frankfurt.

Die US-Organisation hat sich erst vor einem halben Jahr gegründet. Shapiro ist ehemaliger US-Staatssekretär im Handelsministerium und berät die Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf. Ziel seiner Organisation ist es, die wichtigsten EU-Staaten und die USA davon zu überzeugen, gemeinsam Druck auf Argentinien zu machen. Dabei kämpft er hier zu Lande gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Argentinien, die es schon seit über fünf Jahren gibt. Der Ökonom Shapiro hat berechnet, dass die direkten Zahlungsausfälle die deutschen Anleger 3,81 Mrd. Dollar gekostet haben, dazu kämen 1,76 Mrd. Dollar an indirekten Kosten durch Wechselkurseffekte und Steuerausfälle.

Argentinien hatte Anfang 2002 im größten Zahlungsausfall der Geschichte der Schwellenländer Anleihen über insgesamt 100 Mrd. US-Dollar nicht bedient. Gut viereinhalb Jahre später schloss das Land eine umstrittene Umschuldung ab und bot verschiedene neue Zinspapiere an, die Investoren einen rekordhohen Forderungsverzicht von gut zwei Dritteln des Barwertes abrangen. Die Kurse der umgeschuldeten Papiere sind gestiegen. 25 Prozent der Investoren nahmen das Angebot nicht an, weil sie auf Nachbesserungen hofften.

Die Interessengemeinschaft Argentinien gehörte zu den Gläubigern, die das Angebot ablehnten. Damals vertrat sie noch über 250 Anleger, heute sind es nach Aussagen von Mitgründer Stefan Engelsberger nur noch um die 30. Neue Mitglieder müssen bei der Interessengemeinschaft inzwischen 20 000 Euro als Einstandsgebühr zahlen. Dieser Einsatz lohne sich aber für Anleger, die zum Beispiel 100 000 Euro investiert hätten und auf neue Verhandlungen setzten, sagte Engelsberger.

Zeichen für Neuverhandlungen gibt es aber zumindest derzeit nicht. Argentiniens Präsident Nestor Kirchner hat mehrfach bekräftigt, dass es kein weiteres Angebot geben werde. „Dabei wird Kirchner auch bleiben“, meint Günther Scheppler, Analyst für Schwellenländer-Anleihen bei der DZ Bank. Im Herbst stehen in Argentinien Präsidentschaftswahlen an, bei der Kirchner selbst oder seiner Frau, der Senatorin Cristina Fernandez, gute Chancen eingeräumt werden.

Doch selbst wenn Argentinien verhandeln sollte, dürfte es kein höheres Angebot als für die Anleger geben, die an der Umschuldung teilnahmen. Denn das damalige Angebot beinhaltet eine Klausel, nach der die Besitzer der getauschten Bonds von eventuellen späteren Nachbesserungen zu 100 Prozent profitieren könnten. „Argentinien wäre nicht bereit, dies finanziell zu stemmen“, sagt Scheppler.

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