Magere Rendite
Finger weg von Unternehmensanleihen

Nach der grandiosen Entwicklung in diesem Jahr rechnen Fachleute 2010 bei Firmenbonds mit Rückschlägen. Investoren, die jetzt noch Unternehmensanleihen kaufen wollen, müssen sich mit wenig Rendite zufrieden geben. Nur große Konzerne können noch einen Blick wert sein.
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FRANKFURT. Eines ist jetzt schon klar: 2009 dürfte als das Jahr in die Geschichte eingehen, in der Anleger mit Euro-Anleihen von Unternehmen so hohe Erträge eingefahren haben wie noch nie. Schon seit Anfang des Jahres sind Unternehmensbonds, die im Zuge der Finanzkrise und vor allem durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers im vergangenen Jahr unter die Räder kamen, bei Investoren extrem beliebt. Sie galten lange Zeit als lukrative und sichere Alternative zu Aktien. Außerdem wurden die Firmenbonds in diesem Jahr durch die niedrigen Leitzinsen der Zentralbanken gestützt.

Durchschnittliche Renditen auf dem Niveau vom Frühjahr 2005

In der Folge stiegen die Kurse der auch Corporates genannten Anleihen von Unternehmen seit Januar deutlich. Im Schnitt erwirtschafteten Anleger mit Bonds von Unternehmen, die von den Ratingagenturen mit Ratings im relativ sicheren Investmentgrade eingestuft werden, Erträge aus Kursgewinnen und Zinsen von gut 16 Prozent. Die Kehrseite der Medaille: Investoren, die jetzt noch Unternehmensanleihen kaufen wollen, müssen sich mit wenig Rendite zufrieden geben: Im Schnitt werfen auf Euro lautende Firmenbonds nach Indizes von Bank-of-America-Merrill-Lynch nur noch 3,5 Prozent Rendite ab. So niedrig lagen die Renditen zuletzt vor gut viereinhalb Jahren.

Auch relativ gesehen - also im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen, bei denen das Ausfallrisiko gleich Null ist - haben Corporates nicht mehr viel zu bieten. Die Renditeaufschläge der Unternehmensbonds im Vergleich zu den Renditen von Bundesanleihen liegen bei nur noch knapp 1,2 Prozentpunkten. Damit sind die Risikoprämien zwar immer noch höher als zu Vor-Krisen-Zeiten im Frühjahr 2007. Sie liegen aber nur noch ein Drittel so hoch wie zu Beginn diesen Jahres.

Das stimmt Experten skeptisch: "Viele Unternehmensanleihen sind zu teuer, und die Gefahr von Rückschlägen ist groß", sagt Jochen Felsenheimer, leitender Kreditstratege beim unabhängigen Vermögensverwalter Assénagon. Als Gefahr für den Markt sieht Felsenheimer zum Beispiel, dass sich die Kreditqualität auch gut eingestufter Unternehmen noch weiter verschlechtert. In der Folge würden unter anderem viele Banken ihre Bestände an Firmenkrediten abbauen, weil sie diese bei sinkenden Ratings mit mehr Eigenkapital unterlegen müssten. Außerdem bestehe die Gefahr, dass die Zentralbanken im kommenden Jahr den Banken nicht mehr so viel Geld zur Verfügung stellen, meint Felsenheimer. Auch deshalb müssten einige Banken Kreditrisiken abbauen, um Liquidität freizusetzen.

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