Mangelnde Transparenz
EU nimmt Bonds ins Visier

In Europa werden pro Tag Bonds im Wert von 111,5 Mrd. Euro gehandelt. Damit ist dieser Markt doppelt so groß wie der börsliche Aktienhandel in der EU. Nun wird in Brüssel der Ruf nach einer Regulierung der Bondmärkte lauter. Politiker kritisieren die mangelnde Transparenz beim Handel mit Schuldverschreibungen.

BRÜSSEL. Der Finanzmarktexperte der christdemokratischen EVP-Fraktion im Europaparlament, der CSU-Abgeordnete Alexander Radwan, hat sich für mehr Offenheit beim Kauf und Verkauf von Inhaberschuldverschreibungen (Staats- und Unternehmensanleihen) ausgesprochen. „Bei den festverzinslichen Wertpapieren fehlt die Transparenz, die es im Aktienhandel gibt“, sagte Radwan dem Handelsblatt. Anleger hätten ein Recht darauf, den in den Festpreisen enthaltenen Gebührenanteil zu erfahren. Radwan verweist auf das „hohe Transparenzniveau in den USA“. Dort habe die Einführung von Preistransparenz auf dem Markt für Staatsanleihen 2002 zu einer Halbierung der Gebühren geführt.

In Europa werden nach Angaben des Brüsseler „Center for European Policy Studies“ (CEPS) pro Tag Bonds im Wert von 111,5 Mrd. Euro gehandelt. Damit ist dieser Markt doppelt so groß wie der börsliche Aktienhandel in der EU.

Der CSU-Mann greift mit seinem Regulierungsvorschlag Überlegungen der EU-Kommission auf, den Anlegerschutz auch in jenen Segmenten der Finanzmärkte zu stärken, die nicht von der EU-Richtlinie Märkte für Finanzinstrumente (Mifid) erfasst werden. Die Bondmärkte wurden durch die Mifid-Richtlinie nicht reguliert, weil sie zum Großteil zwischen den Banken abgewickelt werden. In der Behörde von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy kursieren Pläne, für den Handel mit Staats- und Unternehmensanleihen ähnliche Transparenzregeln einzuführen, wie sie die Mifid-Richtlinie vorsieht.

Die noch nicht in Kraft getretenen Mifid-Vorschriften verlangen, dass die Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute ihre Kundenaufträge zu den bestmöglichen Konditionen durchführen müssen. Für den Bondhandel würde die analoge Anwendung dieses Regelwerks bedeuten, dass die Banken ihre Festpreis-Pakete aufschnüren und Angebot und Zuschlag veröffentlichen müssen. Außerdem wird erwogen, die Händler zur Veröffentlichung ihrer Vergütung zu zwingen.

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