Anleihen
Markt für neue Jumbo-Pfandbriefe belebt sich

Das Interesse der EZB an Jumbos lässt die Risikoaufschläge sinken. Gleichzeitig ist die Liquidität im Handel weiter gesunken. Eine Erholung der Märkte wäre wichtig für die Stabilisierung des Finanzsystems.

FRANKFURT. Das Kaufinteresse der Europäischen Zentralbank (EZB) an Pfandbriefen und Covered Bonds aus dem Euro-Raum hat gegenläufige Effekte auf dem Markt. Auf der einen Seite nutzen Banken die Gunst der Stunde und gehen wieder verstärkt mit neuen Groß-Pfandbriefen (Jumbos) an den Start. Auf der anderen Seite ist der Handel mit den Papieren wegen gesunkener Liquidität noch schwieriger geworden als zuvor.

"Das Marktumfeld hatte sich bereits in den vergangenen Wochen verbessert, und die Ankündigung der EZB, Covered Bonds über 60 Mrd. Euro zu kaufen, hat weitere Investoren angelockt", sagt Leef Dierks, Analyst für Covered Bonds bei Barclays Capital.

Dies hat jedoch auch zur Folge, dass Banken kaum noch Covered Bonds auf dem freien Markt verkaufen, weil sie auf weiter sinkende Risikoprämien spekulieren. Entsprechend sind laut Dierks die Handelsspannen noch weiter gestiegen. Der Sekundärmarkthandel sei schwierig. "Die eingeschränkte Liquidität ist ein negativer Nebeneffekt der EZB-Ankündigung", meint auch Karsten Junius, Volkswirt bei der Dekabank.

Nach einer Studie des bei der EZB angesiedelten Ausschusses für Bankenaufsicht ist indes eine möglichst rasche Erholung der Märkte für Covered Bonds und verbriefte Wertpapiere von größter Wichtigkeit für eine Stabilisierung des Finanzsystems. Für Investoren sei es essentiell, dass die Liquidität an diesen Märkten wiederhergestellt werde, heißt es. Details zu den angekündigten Covered-Bond-Käufen will die EZB am 4. Juni bekannt geben. Das slowenische EZB-Ratsmitglied Marko Kranjek betonte aber schon gestern, es sei "sehr wahrscheinlich", dass die EZB Covered Bonds über mehr als 60 Mrd. Euro kaufen werde.

Über neue Jumbos können sich Banken bereits jetzt günstiger refinanzieren als vor der EZB-Ankündigung. Gestern platzierte zum Beispiel die WL Bank einen fünfeinhalbjährigen mit Staatskrediten gedeckten Jumbo-Pfandbrief über 1,25 Mrd. Euro mit einem Risikoaufschlag von 0,48 Prozentpunkten über dem Interbankensatz. "Erstmals seit langem konnte eine Bank einen neuen Jumbo mit einer Risikoprämie unterhalb der ausstehenden Jumbos begeben", betont Ralf Welge, der bei der Commerzbank Finanzinstitute bei der Emission von Covered Bonds betreut. Wie gefragt der WL-Bank-Jumbo war, zeigte sich zudem daran, dass die Konsortialbanken binnen weniger Minuten Kaufaufträge über 3,5 Mrd. Euro bekamen. Die bessere Stimmung der Investoren will auch die französische Bank BNP Paribas nutzen, die gestern die Platzierung eines Jumbos ankündigte. Am Montag hatte bereits Santander als erste spanische Bank seit Juli einen ebenfalls sehr gefragten Jumbo platziert, am Dienstag folgte der französische Immobilienfinanzierer Compagnie de Financement Foncier CFF mit einer Emission.

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