Marodes Bankensystem
Anleger fliehen aus irischen Staatsanleihen

Die Situation in Irland ängstigt die Anleger am Anleihemarkt. Nachdem ein Minister der Regierung vor Problemen für den Staatshaushalt gewarnt hatte, befinden sich irische Staatsanleihen auf Talfahrt. Die Renditen klettern im Gegenzug von einem Rekordhoch zum nächsten. Die Investoren fürchten eine Zahlungsunfähigkeit des Landes.
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FRANKFURT. Die Investoren an den Anleihemärkten misstrauen Irland so deutlich wie noch nie seit Einführung des Euros. Die Kurse irischer Staatsbonds fielen am Dienstag erneut deutlich und im Gegenzug stiegen die Renditen. Die Rendite der zehnjährigen irischen Staatsanleihe kletterte auf bis zu 7,3 Prozent und damit den höchsten Stand seit Einführung des Euros. Nach Griechenland, das seit dem Frühjahr am Refinanzierungstropf der anderen Euro-Länder und des Internationalen Währungsfonds (IWF) hängt, gilt Irland nach Ansicht der Investoren als schwächster Schuldner im Euro-Raum.

Der Renditeaufschlag der zehnjährigen irischen Staatsanleihe im Vergleich zur zehnjährigen Bundesanleihe kletterte auf 4,75 Prozentpunkte und war damit ebenfalls so hoch wie noch nie. Am Markt für Kreditausfallversicherungen stieg die Prämie zur fünfjährigen Absicherung vor einem Ausfall irischer Staatsanleihen auf das Rekordhoch von 5,26 Prozent der zu versichernden Summe.

Auslöser für die zunehmenden Verwerfungen waren laut Händlern nach wie vor Aussagen des irischen Verteidigungsministers Tony Killeen. Er hatte am Montag gesagt, dass der irische Haushalt 2011 vor einer Reihe von Bewährungsproben stehe. Und die "wahrscheinlich wichtigste" sei Anleger davon zu überzeugen, Irland mittels Anleihen Geld anzuvertrauen. Dafür hat Irland noch eine Gnadenfrist. Die Regierung hat in diesem Jahr bereits Bonds über knapp 19 Mrd. Euro begeben und damit ihren Refinanzierungsbedarf bis Mitte 2011 gedeckt.

Verstärkte Sorgen um Irlands Zahlungsfähigkeit machen sich Investoren seit Anfang September. Auslöser dafür war die erneute Zuspitzung der Krise des maroden Bankensystem der Insel. Die Rettung der Banken könnte die Regierung nach eigenen Angaben am Ende bis zu 50 Mrd. Euro kosten - das wären mehr als 30 Prozent der irischen Wirtschaftsleistung.

Ob sich die Lage im kommenden Jahr bessert, ist ungewiss. Auch 2011 und 2012 dürfte sich die Haushaltslage in Irland nur zögerlich entspannen, heißt in einer Studie der DZ Bank. Durch die schwache Inlandsnachfrage dürften die Steuereinnahmen deutlich niedriger ausfallen als zunächst erwartet.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

Kommentare zu " Marodes Bankensystem: Anleger fliehen aus irischen Staatsanleihen"

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  • Ja, so ist der "deutsche Steuerzahler" - will immer nur sehen, was er zahlen muss und nie, was er bekommt. Geschweige denn, dass er bezahlen muss, was er bestellt hat.

    Wenn's an's zahlen geht, vergißt der "deutsche Steuerzahler" vor lauter Zahlungsschmerz alles andere und bricht in wehleidiges Gejammer aus, ob der pösen, pösen Puben, für die er zahlen muss.

    Kann man nicht Ernst nehmen und wird auch nicht Ernst genommen.

  • Wir Deutschen werden für Griechenland, irland und Portugal geradestehen dürfen. Das ist unser modernes Versailles.
    in ein paar Jahren muss italien den bankrott erklären, es ist nicht mehr zu ändern. Wer bürgt dann für die italienischen Schulden, die bis dahin bei gut 3000 Mrd. Euro liegen dürften ???
    Wann wirft die EZb die Notenpresse an ???
    Und wie wird man uns dabei wieder über den Tisch ziehen ???

  • Die wichtigste bewährungsprobe irlands ist, die Anleger zu überzeugen, weiterhin irische Anleihen zu kaufen. Damit hat Minister Killeen völlig recht. Werden sich die Anleger nicht überzeugen lassen, sind sie selbst Schuld, wenn irland der europäischen Rettungsschirm in Anspruch nimmt - that`s it.

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