Mehr Sicherheit bei Übernahmen
Schutzklauseln für Bonds

Nicht nur Politiker und Gewerkschafter fürchten die Macht der Beteiligungsfonds. Der beispiellose Boom von Übernahmen durch Private-Equity-Gesellschaften löst auch bei Investoren, die ihr Geld in Unternehmensanleihen angelegt haben, Angst und Schrecken aus.

mm LONDON. Weil die Beteiligungsgesellschaften ihre Übernahmen in der Regel mit bis zu zwei Dritteln über Kredite finanzieren, droht der Bonität der betroffenen Unternehmen eine plötzliche Verschlechterung. Dadurch kann der Wert ihrer Anleihen deutlich unter Druck geraten. „Für die Bond-Investoren ist die Lage sehr schwer berechenbar geworden, ihnen drohen ernsthafte Verluste“, sagt Frances Hutchinson, Senior Investment Analystin bei European Credit Management in London. „Der wachsende Einfluss von Private-Equity-Gesellschaften beeinträchtigt die Stabilität von Anleihen mit guter Bonität“, warnt auch die Ratingagentur Moody’s.

Wie groß die Gefahr ist, zeigt die Übernahme der dänischen Gesellschaft ISS durch die US-Investmentbank Goldman Sachs und den skandinavischen Finanzinvestor EQT im vergangenen Jahr. Direkt nach Ankündigung der Transaktion schnellte der Aktienkurs vonISS um knapp 30 Prozent in die Höhe, der Kurs der Unternehmensanleihen sackte dagegen um fast 20 Prozent ab. Um solche Verluste zu vermeiden, fordern Anleihe-Anleger immer öfter Schutzklauseln gegen Übernahmen. Deutlich zu spüren bekam diesen Wunsch der britische Flughafenbetreiber BAA. Als BAA im Februar 2006 drei mittelfristige Anleihe begeben wollte, erhielt das Unternehmen unerwartet ein Übernahmeangebot der spanischen Ferrovial-Gruppe. Auf massiven Druck der Großinvestoren musste BAA deshalb nachträglich eine so genannte „Change-of-Control-Klausel“ in die Anleihebedingungen mit aufnehmen.

Diese Klauseln besagen, dass die Anleiheeigner innerhalb einer bestimmten Frist nach einem Eigentümerwechsel die Tilgung der Anleihe zum Nominalbetrag plus die Zahlung der aufgelaufenen Zinsen verlangen können.

Eine andere Schutzklausel bietet der britische TV-Sender ITV, um den sich immer wieder Übernahmegerüchte ranken. Sollte es tatsächlich soweit kommen und würden die Ragingagenturen deshalb ihre Bonitätsbewertung für die ITV-Anleihen senken, dann würden die Investoren mit einem um 1,25 Prozentpunkte höheren Zinskupon entschädigt.

In Großbritannien machte vor allem der Druck des Verbandes der Großinvestoren, ABI, die Schutzklauseln salonfähig, unter anderem finden sie sich in den Anleiheverträgen von Cable & Wireless, BT und Kingfisher. Die Entscheidung der Ratingagentur Moody’s, in Zukunft bei Unternehmensanleihen auch die Sicherheitsbedingungen zu bewerten, dürfte weiter zur Verbreitung beitragen.

Kritiker monieren allerdings, das die Versuchung für Unternehmen groß ist, die Bedingungen bewusst als „Giftpille“ gegen drohende Übernahmen einzusetzen. „Unternehmenskäufe können durch die Klauseln teurer werden“, räumt Analystin Hutchinson ein. „Aber anders lassen sich die Interessen von uns Anleihe-Investoren kaum schützen .“

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