Merrill-Lynch-Umfrage
Vermögensverwalter denken bei Anleihen um

Pessimistische Aussichten für die Weltwirtschaft, schrumpfende Unternehmensgewinne und die Zinspause der US-Notenbank zwingen Fondsmanager, ihre lang gehegte Abneigung gegen Anleihen zu überdenken. Das ist das Ergebnis der monatlichen Umfrage der Investmentbank Merrill Lynch unter weltweit mehr als 200 Vermögensverwaltern.

FRANKFURT. Während im Mai fast die Hälfte der professionellen Vermögensverwalter Bonds für überteuert hielt, teilen inzwischen nur noch 22 Prozent der Befragten diese Meinung. Außerdem wollen nur noch 46 Prozent Anleihen untergewichten. Zum ersten Mal seit drei Jahren ändert sich damit die Einstellung gegenüber Anleihen grundlegend.

Gleichzeitig bleiben die Fondsprofis extrem vorsichtig, ein Drittel setzt auf ein Übergewicht der Barquote – so viele wie noch nie. Den dritten Monat infolge seien Risiko-Aversion und Barquote nach Angaben von Merrill Lynch ungewöhnlich hoch. Investoren würden ihr Kapital derzeit liquide halten, um es im richtigen Moment wieder einzusetzen.

„Die große Frage im Herbst wird sein: Wird das Geld wieder in Aktien investiert oder fließt es stattdessen in den Anleihemarkt", sagt David Bowers, Berater bei Merrill Lynch. „Wie sich die Investoren verhalten, hängt vor allem davon ab, welchen Kurs die US-Notenbank einschlägt“, ergänzt er.

In der Frage, ob sich die Fed eher um die Inflationsrate oder um das Wirtschaftswachstum kümmern sollte, sind die Vermögensverwalter unterschiedlicher Meinung. Während ein Drittel sagt, dass das Wachstum der Wirtschaft wichtiger als eine niedrige Inflationsrate sei, sehen 27 Prozent dies genau umgekehrt. Weitere 37 Prozent sind der Meinung, die US-Notenbank müsse beides gleichrangig behandeln.

Dass sich die Lage der Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten weiter verschlechtern werde, meinen mehr als zwei Drittel der befragten Fondsmanager. Eine Rezession befürchtet die Mehrheit dennoch nicht, die globale Wirtschaft sei derzeit in einer späten Phase des Konjunkturzyklus.

Nicht viel besser beurteilen die Anlageexperten die Entwicklung der Unternehmensgewinne. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet hier einen Rückgang, im Juni waren es nur 34 Prozent. Dass die Aktienmärkte in den kommenden Monaten nachgeben werden, sagen 43 Prozent.

Die aktuelle Umfrage wurde vom 4. bis zum 10. August durchgeführt. Sie gilt als wichtiger Gradmesser für den Fondsmarkt. Zusammen genommen verwalten die 209 befragten Fondsmanager ein Vermögen von insgesamt 637 Mrd. Dollar.

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