Milliarden-Emission
Commerzbank erwägt neuen Garantie-Bond

Angesichts großer Nachfrage liebäugelt die Commerzbank mit der Emission einer weiteren staatsgarantierten Anleihe - womöglich auf Dollar-Basis. Dies sei durchaus eine Option für die Zeit nach der bevorstehenden Aktienbeteiligung des Bundes, sagte Commerzbank-Vorstand Michael Reuther am Freitag dem Handelsblatt.

FRANKFURT. Es gebe "starkes Interesse" der Investoren, auch an Laufzeiten über drei Jahren. Die Commerzbank könne in diesem Fall wie bereits zu Jahresbeginn nochmals den "Türöffner" spielen.

Sollte es zu einer Emission kommen, werde das Volumen sicherlich "Benchmark-Niveau" haben und womöglich bei zwei oder drei Mrd. Dollar liegen. Im November hatte die Commerzbank sich beim Finanzmarkstabilisierungsfonds (Soffin) einen Garantierahmen über 15 Mrd. Euro verschafft. Im Januar wurde dann ein Bond über fünf Mrd. Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren platziert. Längere Laufzeiten sind bislang nur mit einem Sonderantrag des Soffin möglich. Grünes Licht für Anleihen in ausländischer Währung steht indes noch aus. "Ich habe deutliche Signale, dass das kommt", sagte Reuther, der bis vor kurzem auch für das Liquiditätsmanagement (Treasury) zuständig war. Reuther betonte allerdings, es gebe noch keine konkreten Pläne für eine Emission.

Indes wird immer deutlicher klar, wie stark die Finanzmarktkrise und die Übernahme der Dresdner Bank die Commerzbank belasten. Erst 2011 werden wieder schwarze Zahlen geschrieben, ein drastischer Umbau steht bevor. "Das wird gewiss kein Sonntagsspaziergang", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing. "Schon eher eine harte Bergtour." So will die Bank den Abbau von Risiken sowie die Absenkung des Verschuldungsgrades noch beschleunigen.

Die Investmentbank - insbesondere Dresdner Kleinwort - wird umfangreicher als geplant zurückgefahren. Insgesamt müssen in dem Segment rund 1 600 von 3 500 Mitarbeitern den Hut nehmen.

Die Bank rechnet damit, erst ab 2012 die 18,2 Mrd. Euro schwere Kapitalhilfe des Bundes, der künftig gut 25 Prozent der Aktien halten soll, zurückzahlen zu können. Offen ist, bis wann die Commerzbank vollkommen aus der Teilverstaatlichung kommt. Blessing schloss hierzu auf lange Sicht eine Kapitalerhöhung grundsätzlich nicht aus.

Ein erneuter Gang zum Soffin steht derzeit trotz steigender Risikovorsorge und Restrukturierungslasten von voraussichtlich gut zwei Mrd. Euro im laufenden Jahr nicht an. "Wir sind aus heutiger Sicht über die gegenwärtige Krise hinweg angemessen kapitalisiert", sagte Blessing. Die Risikovorsorge soll 2009 in etwa auf dem Vorjahresniveau von 3,6 Mrd. Euro liegen. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank schnitt hier im vergangenen Jahr mit lediglich einem Drittel dieses Betrages deutlich besser ab.

Im Auftaktquartal konnte die Bank ihren Sturzflug immerhin abbremsen. So fiel unter dem Strich ein Verlust von 861 Mio. Euro an - etwa so viel, wie von Analysten erwartet. Wären beide Häuser vor einem Jahr bereits fusioniert gewesen, wäre im Vergleichszeitraum ein Gewinn von 236 Mio. Euro zu Buche gestanden. Für den Verlust zu Jahresbeginn sorgten vor allem Abschreibungen im Kapitalmarktgeschäft, die dort ein Minus von 1,2 Mrd. Euro verursachten. Das Osteuropageschäft um die polnische BRE Bank fuhr ebenfalls rote Zahlen ein. Hierzulande brach der Gewinn der Privatkundensparte ein. Der einzig große Ertragsbringer war die Mittelstandsbank mit 339 Mio. Euro operativem Ergebnis.

Ab 2012 peilt Blessing eine Nachsteuer-Rendite für den Konzern von zwölf Prozent an. Amtsvorgänger Klaus-Peter Müller hatte vor drei Jahren noch 15 Prozent als Ziel ausgerufen. Sehr viel ehrgeiziger sind die Ziele der Bank im Privatkundengeschäft: 2012 will sie dort eine Rendite von 30 Prozent vor Steuern erwirtschaften. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann war zuletzt von Politikern als unbelehrbar gescholten worden, weil er für sein Haus an einer fünf Prozentpunkte niedriger liegenden Zielmarke festhält.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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