Milliarden-Emissionen
Dax-Konzerne zapfen den Kapitalmarkt an

Die deutschen Großkonzerne haben seit Januar so viele neue Anleihen auf den Markt gebracht wie noch nie in den ersten sechs Wochen eines Jahres. Am Montag holte sich überraschend auch der hochverschuldete Industriekonzern Thyssen-Krupp frisches Geld. Hintergrund der Emissionsflut: Die Unternehmen fürchten, dass die Refinanzierung teurer wird.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Der Industriekonzern Thyssen-Krupp hat sich am Kapitalmarkt frisches Geld geholt. Über die Platzierung von zwei Anleihen beschafft sich das hochverschuldete Unternehmen Mittel von insgesamt 1,5 Mrd. Euro. Das teilte Deutschlands größter Stahlproduzent gestern in Düsseldorf mit.

Die Emission kommt überraschend. Bei der Bilanzvorlage am vergangenen Freitag hatte sich der Konzern noch bedeckt gehalten; Finanzvorstand Ulrich Middelmann hatte zuvor sogar beteuert, dass keine Anleihe geplant sei. Ein Sprecher sagte nun: "Wir haben den Markt am Morgen analysiert und ihn für gut befunden." Thyssen leidet nicht nur unter der schlechten Stahlkonjunktur weltweit, auch hausgemachte Schwierigkeiten belasten. So steht der Konzern vor allem wegen kostspieliger Großprojekte in Amerika unter großem Finanzierungsdruck, weshalb Analysten die Milliardenanleihe begrüßten. Hinzu kommt, dass im März eine Anleihe über 500 Mio. Euro fällig wird.

Thyssen-Krupp folgte mit der Platzierung dem Beispiel vieler Konzerne, die sich in diesem Jahr erfolgreich Geld über neue Anleihen besorgt haben. Seit Januar haben Unternehmen neue Bonds über 68 Mrd. Euro platziert und damit so viel wie noch nie in den ersten sechs Wochen eines Jahres.

Die Unternehmen zahlen zwar hohe Risikoaufschläge im Vergleich zu den Renditen von Bundesanleihen. Absolut gesehen sind die Renditen dank der Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) aber gesunken.

Da Thyssen-Krupp für die neuen Anleihen eine deutlich höhere Rendite als für die ausstehenden Bonds bezahlt, lockte der Stahlkonzern gestern viele Investoren an. Für die vierjährige Anleihe bietet man 6,9 Prozent, für die siebenjährige Anleihe werden 8,7 Prozent Rendite avisiert. Zum Vergleich: Siemens konnte in der vergangenen Woche Anleihen mit vier und acht Jahren Laufzeit zu Renditen von 4,18 und 5,24 Prozent platzieren. Thyssen-Krupp hat aber deutlich schlechtere Bonitätsnoten als zum Beispiel Siemens und ist eine der wenigen zyklischen Firmen, die sich mit Anleihen an den Markt gewagt haben. Die Experten der Landesbank Baden-Württemberg bezeichneten die Thyssen-Bonds mit Blick auf die ausstehenden Papiere und die geringeren Kosten für Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) als "attraktiv".

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