Ministerpräsident
Lettas Rücktritt lässt die Anleihenmärkte kalt

Italiens Ministerpräsident Enrico Letta ist zurückgetreten. Interessieren tut das an den Anleihemärkten bis jetzt niemanden – der Rücktritt hat keine merklichen Auswirkungen auf den Rentenmarkt gehabt.
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Die deutschen Bundesanleihen haben am Freitagmorgen etwas leichter tendiert. Zehnjährige Papiere rentierten zuletzt mit 1,67 Prozent knapp einen Basispunkt höher. Der Terminkontrakt Bund-Future sank um sechs Basispunkte auf 143,73 Prozent.

Die Anleihen reagierten damit auf neue Wirtschaftsdaten, die von der allmählichen Stabilisierung des Euroraums zeugten. Das französische Bruttoinlandsprodukt war in den letzten drei Monaten des Vorjahres auf Quartalsbasis um 0,3 Prozent gestiegen, während es in Deutschland um 0,4 Prozent kletterte. In beiden Fällen wurden die Schätzungen der von Bloomberg befragte Volkswirte von 0,2 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent übertroffen.

Am Nachmittag stehen neue US-Konjunkturdaten an, die aber von den zweitweise extremen Witterungsbedingungen in den USA beeinflusst sein könnten. „Daher darf man von dem Stimmungsindikator der Uni Michigan nicht allzu viel erwarten“, schrieben die Volkswirte der Essener Nationalbank in einem Kommentar. „Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung dürften ebenfalls verzerrt sein.“

Nach einer Bloomberg-Umfrage könnte die Industrieproduktion im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent gestiegen sein, während der Index der Universität Michigan im Febuar bei 80,2 gelegen haben dürfte. Die am Vortag veröffentlichten Daten zur Entwicklung des US-Einzelhandelsumsatzes im Januar hatten mit einem Minus von 0,4 Prozent den größten Rückgang seit zehn Monaten gebracht, während Volkswirte mit einem unveränderten Wert gerechnet hatten. Zehnjährige Treasuries rentierten zuletzt mit 2,73 Prozent knapp einen Basispunkt niedriger.

Die Rendite der zehnjährigen italienischen Referenzanleihe zog unterdessen um zwei Basispunkte auf 3,71 Prozent an, hielten sich damit aber im Bereich der tiefsten Niveaus seit 2006. Der Rücktritt von Ministerpräsident Enrico Letta, auf den wahrscheinlich sein Parteigenosse Matteo Renzi folgen wird, hat damit keine merklichen Auswirkungen auf den Rentenmarkt gehabt.

„Allerdings bleibt der designierte Nachfolger, der sich in den nächsten Tagen wahrscheinlich um die Regierungsbildung bemühen muss, bisher Antworten schuldig, wie er Reformen zügig umsetzen will“, merken die Volkswirte der Nationalbank an, „nach wie vor scheint das Beharrungsvermögen zumindest der italienischen Politik und Verwaltung sehr ausgeprägt zu sein.“

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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