Minus-Rendite
Neue fünfjährige Bundesanleihe wenig gefragt

Nur 3,49 Milliarden Euro: Statt der angestrebten 5 Milliarden Euro brachte die neue fünfjährige Bundesanleihe deutlich weniger als geplant ein. Verwunderlich ist das bei einer Rekord-Negativrendite indes nicht.

FrankfurtDer Hunger der Investoren auf neue Bundesanleihen hielt sich am Mittwoch in Grenzen. Für die fünf Milliarden Euro, die Deutschland sich für eine neue fünfjährige Bundesobligation holen wollte, gaben Banken Kaufaufträge im Umfang von nur 3,49 Milliarden Euro ab.

Verwunderlich ist das indes nicht: Die durchschnittliche Rendite bei der Auktion des Papiers lag bei minus 0,51 Prozent – und damit so niedrig wie noch nie bei der Versteigerung eines fünfjährigen Papiers. Investoren, die den Bond jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten, machen also einen Verlust von 0,51 Prozent pro Jahr.

Die Minus-Rendite liegt daran, dass die Anleihe einen Zinskupon von null Prozent hat, Investoren also während der Laufzeit keine Zinszahlungen bekommen. Der Kurs der Anleihe ist aber auf 102,69 Prozent gestiegen. Zurückgezahlt wird das Papier aber nur zum Nominalwert von 100 Prozent.

Vor gut einer Woche begab Deutschland als erstes Land auch eine zehnjährige Anleihe mit einem Kupon von null Prozent.  Die Rendite dieser Anleihe lag zuletzt bei minus 0,03 Prozent. Bei dieser Anleihe im Umfang von vier Milliarden Euro gab es Gebote über nur 3,66 Milliarden Euro.

Dass es weniger Nachfrage für eine neue Anleihe gibt, kommt somit immer wieder vor. In diesem Jahr war es bereits die 14. von insgesamt 42 Auktionen mit sogenannten technischen Unterdeckungen. Im Jahr 2015 waren hatte es insgesamt 14 solcher Fälle gegeben. Die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – behält indes bei Anleihen stets einen Teil zur sogenannten  Marktpflege ein und verkauft diesen erst nach und nach im Handel.  In der Regel sind das indes nur um die 20 Prozent.

Diesmal behielt die Agentur jedoch gleich 1,6 Milliarden Euro der Anleihe – und damit fast ein Drittel. Formell war die Nachfrage – abgeleitet aus zugeteiltem Volumen und Kaufgeboten – war gedeckt. Die sogenannte Bid-Cover-Ratio lag jedoch bei nur bei 1,03 Prozent und war damit so niedrig wie seit dem Jahr 2011 nicht mehr. 

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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