Minus-Rendite

Neue fünfjährige Bundesanleihe wenig gefragt

Nur 3,49 Milliarden Euro: Statt der angestrebten 5 Milliarden Euro brachte die neue fünfjährige Bundesanleihe deutlich weniger als geplant ein. Verwunderlich ist das bei einer Rekord-Negativrendite indes nicht.
Nicht immer wird der Bund alle Anleihen auf seinen Auktionen los. Quelle: dpa
Bundesadler

Nicht immer wird der Bund alle Anleihen auf seinen Auktionen los.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer Hunger der Investoren auf neue Bundesanleihen hielt sich am Mittwoch in Grenzen. Für die fünf Milliarden Euro, die Deutschland sich für eine neue fünfjährige Bundesobligation holen wollte, gaben Banken Kaufaufträge im Umfang von nur 3,49 Milliarden Euro ab.

Verwunderlich ist das indes nicht: Die durchschnittliche Rendite bei der Auktion des Papiers lag bei minus 0,51 Prozent – und damit so niedrig wie noch nie bei der Versteigerung eines fünfjährigen Papiers. Investoren, die den Bond jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten, machen also einen Verlust von 0,51 Prozent pro Jahr.

So macht der Bund Schulden
Schritt 1: Politische Entscheidung
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Die Haushaltsreferate der einzelnen Bundesministerien planen ihre Haushalte für die folgenden Jahre, der Finanzminister trägt die Vorhaben zusammen. Die Bundesregierung beschließt im Kabinett den Haushalt für den Bund – in der Regel im Sommer für das jeweilige folgende Jahr.

Brüssel gibt seinen Segen
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Mittlerweile müssen die nationalen Haushalte auch bei der EU-Kommission vorgelegt werden. Die Behörde in Brüssel prüft im Herbst, ob etwa die Höhe vorgesehener Schulden den Regeln der Europäischen Union entspricht.

Bundestag
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Das Parlament hat die Hoheit: Der Bundestag beschließt endgültig über den Haushalt des Bundes. Seit dem Jahr 2016 gilt dabei die sogenannte Schuldenbremse. Sie begrenzt die Nettokreditaufnahme auf 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Schritt 2: Finanzministerium
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Seitdem Finanzminister Wolfgang Schäuble 2014 die „Schwarze Null“ durchgebracht hat, spart sich der Bund die Netto-Neuverschuldung. Neue Kreditpapiere bringt der Bund trotzdem auf den Markt– um alte Kredite abzulösen.

Zur Fälligkeit muss der Staat den Nennwert begebener Anleihen und Geldmarktpapiere inklusive Kuponverzinsung an die Investoren zurückzahlen. Das Geld dafür beschafft er sich, indem er kurz vorher neue Anleihen begibt. An welchem Tag welche Bundeswertpapiere in welchem Umfang begeben werden legt die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – jeweils im Dezember für das Folgejahr fest.

Schritt 3: Finanzagentur
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„Ja, der Bund zahlt das Geld für Zinsen und Tilgung an die Käufer von Anleihen immer fristgerecht zurück“, heißt es bei der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur, die Detuschlands Schulden managt. Die Regierung könne kurzfristig eingreifen, ist seit Jahren liquide und werde von allen drei Rating-Agenturen regelmäßig mit einem „Triple A“ (AAA)-Status ausgezeichnet.

Rating für Deutschland
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Neben Standard & Poor's geben regelmäßig Moody's und Fitch Urteile über Deutschlands Kreditwürdigkeit ab. Wegen des Top-Ratings ist der deutsche Staat so beliebt im Geschäft mit Bundesanleihen. Nachdem das Finanzministerium entschieden hat, welche Anleihen-Art er genau begeben will, wird die Deutsche Finanzagentur tätig. Sie berät das Finanzministerium, wie es die Anleihen möglichst günstig und gleichzeitig kurzfristig auf dem Markt anbieten kann.

Bundesbank.
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Jens Weidmann ist der Präsident der Bundesbank, die in Schritt 3 des Schuldenmachens ein ausführendes Organ ist. Die Bundesbank organisiert gemeinsam mit der Finanzagentur die Bieterauktionen für die begebenen Schuldtitel.

Die Auktionen finden in der Regel zwei Mal die Woche statt, und zwar montags und dienstags oder montags und mittwochs. Montags werden kurzlaufende Geldmarktpapiere mit Laufzeiten von sechs Monaten versteigert. Zweijährige Bundesschatzanweisungen gibt es einmal im Monat an einem Dienstag, fünf- zehn- und 30jährige Anleihen jeweils mittwochs. Dazu gibt es noch an bis zu zehn Dienstagen inflationsindexierte Wertpapiere des Bundes.

Die Minus-Rendite liegt daran, dass die Anleihe einen Zinskupon von null Prozent hat, Investoren also während der Laufzeit keine Zinszahlungen bekommen. Der Kurs der Anleihe ist aber auf 102,69 Prozent gestiegen. Zurückgezahlt wird das Papier aber nur zum Nominalwert von 100 Prozent.

Vor gut einer Woche begab Deutschland als erstes Land auch eine zehnjährige Anleihe mit einem Kupon von null Prozent.  Die Rendite dieser Anleihe lag zuletzt bei minus 0,03 Prozent. Bei dieser Anleihe im Umfang von vier Milliarden Euro gab es Gebote über nur 3,66 Milliarden Euro.

Dass es weniger Nachfrage für eine neue Anleihe gibt, kommt somit immer wieder vor. In diesem Jahr war es bereits die 14. von insgesamt 42 Auktionen mit sogenannten technischen Unterdeckungen. Im Jahr 2015 waren hatte es insgesamt 14 solcher Fälle gegeben. Die Finanzagentur – der oberste Schuldenmanager des Bundes – behält indes bei Anleihen stets einen Teil zur sogenannten  Marktpflege ein und verkauft diesen erst nach und nach im Handel.  In der Regel sind das indes nur um die 20 Prozent.

Diesmal behielt die Agentur jedoch gleich 1,6 Milliarden Euro der Anleihe – und damit fast ein Drittel. Formell war die Nachfrage – abgeleitet aus zugeteiltem Volumen und Kaufgeboten – war gedeckt. Die sogenannte Bid-Cover-Ratio lag jedoch bei nur bei 1,03 Prozent und war damit so niedrig wie seit dem Jahr 2011 nicht mehr. 

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