Minuszinsen: Renditen von Bundesanleihen auf Rekordtief

Minuszinsen
Renditen von Bundesanleihen auf Rekordtief

So wenig gab es noch nie für's Geld: Die Renditen von zwei- und fünfjährigen deutschen Staatsanleihen sind auf neue Rekordtiefs gefallen. Hauptgrund dafür ist die Risikofurcht der Anleger.

FrankfurtBei Rekorden von Läufern oder Schwimmern kommt es mitunter oft auf Zehntel-Sekunden an – am Anleihemarkt sind es die Basispunkte, die zählen. Und bei den deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zwei bis fünf Jahren hat die Rekordjagd wieder eingesetzt. Die Kurse steigen leicht und im Gegenzug markieren die Renditen historische Tiefstände.

So fiel die Rendite der Bundesanleihe, die in zwei Jahren fällig wird, an diesem Mittwoch auf minus 0,46 Prozent. Am Vortag waren es noch minus 0,44 Prozent gewesen und damit so wenig wie zuletzt im Dezember. Die Rendite der in fünf Jahren fälligen deutschen Staatsanleihe fiel wie die der zweijährigen um zwei Basispunkte beziehungsweise 0,02 Prozentpunkte und markierte mit minus 0,25 Prozent ein neues Rekordtief.

Dabei profitieren die Anleihen seit Jahresanfang abermals von der großen Risikofurcht der Investoren. Mit den einbrechenden Aktienmärkten, dem fallenden Ölpreis und den wieder in den Fokus gerückten Sorgen um das Wirtschaftswachstum in China sind Anleihen als sichere Anlagen wieder gefragter. Die Ölpreise sind am Mittwoch abermals unter die Marke von 30 Dollar je Fass gefallen, und die Aktienmärkte gehen wieder auf Tauchstation.

Dazu kommt die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Deren Chef Mario Draghi hatte in der vergangenen Woche für März eine „Neubetrachtung der Geldpolitik“ angekündigt. Viele Investoren interpretierten das als Ankündigung einer noch weiteren Lockerung der Geldpolitik. Die EZB pumpt schon jetzt monatlich um die 60 Milliarden Euro über Anleihekäufe in den Markt und hat zudem den kurzfristigen Einlagenzins für Banken auf minus 0,3 Prozent gesenkt.

Experten wie Orlando Green, Anleihestratege bei der Crédit Agricole, haben jedoch Zweifel, dass die Rally der Anleihen noch lange so weiter geht. „Der Markt ist schon sehr weit gelaufen“, sagte Green der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Minus-Renditen bedeuten, dass Anleger, die die Bonds jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten ein Verlustgeschäft machen. Gerade institutionelle Investoren nehmen das aber in Kauf. Sie können ihr Geld nicht einfach auf der Bank liegen lassen und parken es deshalb gerne in Bundesanleihen. Der Grund: Die Schuldverschreibungen des deutschen Staates gelten mit ihren Spitzenbonitätsnoten von Dreifach-A zum einen als ausfallsicher und zum anderen als gut handelbar. Das heißt: Investoren können sie jederzeit in großen Mengen und engen Handelspannen kaufen und auch verkaufen, wenn sie Geld brauchen.

Anders als bei den kurz- und mittelfristigen Bundesanleihen ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe noch weit von ihrem Rekordtief entfernt. Sie notiert aktuell mit 0,46 Prozent. Im April war die Rendite bis auf 0,05 Prozent abgesackt. Damals war die Euphorie der Investoren über die Anleihekäufe der EZB gerade bei lang laufenden Anleihen noch größer als jetzt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%