Misstrauen
Investoren ziehen ihr Geld aus Spanien ab

Die Lage in Spanien wird immer bedrohlicher. Anleger verlieren das Vertrauen in die viertgrößte Volkswirtschaft Europas. Sie ziehen Kapital aus Spanien ab und treiben die Renditen für Staatsanleihen in die Höhe.
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MadridDie Finanzmärkte verlieren allmählich die Geduld mit Spanien. Die Zinsen für spanische Staatsanleihen sind am Freitag erneut gestiegen. Für zehnjährige Papiere lagen sie bei 6,57 Prozent, zwölf Basispunkte über dem Schlusswert vom Donnerstag

Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte am Donnerstagabend erklärt, dass sich die Zukunft des Euros in den kommenden Wochen entscheiden werde. Sie hänge von der Stabilität Spaniens und Italiens ab. "Ich weiß nicht, ob wir am Rand einer Klippe stehen, aber wir sind in einer sehr, sehr schwierigen Lage", sagte Guindos in einer Rede vor Unternehmern in Sitges bei Barcelona.

Das Misstrauen der Anleger schlägt sich auch in einem zunehmenden Kapitalabfluss nieder. Im ersten Quartal flossen netto 97 Milliarden Euro aus dem Land, wie die spanische Notenbank gestern bekanntgab. Anleger lösten ihre Bestände an spanischen Aktien, Anleihen oder Einlagen auf.

Das ist eine rapide Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als Spanien noch einen Nettozufluss von 20 Milliarden Euro verzeichnete. Einzig positiver Posten in der Kapitalbilanz des ersten Quartals waren die Direktinvestitionen, die einen Nettosaldo von knapp acht Milliarden Euro aufwiesen.

Noch beunruhigender war die Meldung der Europäischen Zentralbank (EZB), dass auch die Einlagen von Nicht-Finanzunternehmen und privaten Haushalten in spanischen Banken im April leicht um 1,9 Prozent oder 31,5 Milliarden Euro schrumpften. Noch im März stiegen die privaten Kontoeinlagen um 3,1 Milliarden Euro an.

Analysten weisen darauf hin, dass es sich vermutlich zum großen Teil um ausländische Einlagen handelt. Die Banco de Espana hat ihre nach In- und Ausländern aufgeschlüsselten Zahlen noch nicht bekanntgegeben. Ein Teil des Einlagenschwunds lässt sich wahrscheinlich auch damit erklären, dass die Banken Einlagen in Schuldscheine umgewandelt haben, da sie für diese keine Beiträge in den spanischen Einlagensicherungsfonds leisten müssen. Jede Bank muss einen kleinen Anteil ihrer Anlagen in diesen Fonds einzahlen.

Spaniens Banken stehen unter starkem Druck, da sie dieses Jahr zusätzliche Risikovorsorge von über 80 Milliarden Euro leisten müssen und es zudem im Zuge der hohen Renditen auf spanische Staatsanleihen ungewiss ist, inwieweit der Staat für mögliche Kapitaldefizite Deckung geben kann.

ZB-Führungsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo wies darauf hin, dass Spaniens Bankenrettungsfonds FROB noch Spielraum zur Rekapitalisierung seiner Banken habe, da die Regierung ihr diesjähriges Finanzierungsprogramm zum Teil vorgezogen habe.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Misstrauen: Investoren ziehen ihr Geld aus Spanien ab"

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  • Reihenfolge: Griechenland, Spanien, dann Portugal, Irland, Italien, Frankreich und danach (nach ca. 2 Jahren) Deutschland! So macht man einen unliebsamen und labilen Konkurrenten Namens EU und Euro) mit ganz legalen US-Kapital-Mitteln "platt"! Die naive Merkel hat die Amis unterschätzt!

  • Bei der Bewertung der aktuellen Ereingnisse an den Märkten, verdichtet sich der Eindruck, dass die kollektive Wahrnehmung "vom Verglühen des Epsilon's" [s. gleichnamiger Aufsatz
    http://www.fortunanetz.de] an Bedeutung gewinnt.

  • Endlich geht es zu Ende. Ich mach mal eine Flasche Champagner auf. Der Euro bringt Wohlstand und Frieden, sagte Frau Merkel. Einen Tip von mir, liebe Frau Merkel und werter Herr Schäuble. Machen Sie sich doch selbst ein Bild davon und machen Sie ohne Bodyguards einen Stadtbummel vozugsweise durch Athen, durch Lissabon, durch Madrid oder Dublin.
    Dann können Sie mal erfahren wie viel Frieden der Euro bringt. Und dann sehen Sie auch die Suppenküchen etc..

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