Misstrauische Investoren
Arabische Staaten geraten in den Sog von Dubai

Die Schuldenkrise im Wüstenemirat Dubai macht auch vor den Nachbarstaaten nicht Halt. Aus Sorge vor zu hohen Finanzierungskosten stellen Unternehmen der Region Pläne für neue Anleihen zurück. Experten erwarten, dass arabische Unternehmen an den Märkten auf mehr Gegenwind stoßen werden.
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DUBAI. Trotz der leichten Entspannung strahlt Dubais Schuldenkrise auch auf die rohstoffreichen Nachbarstaaten ab. Nach Handelsblatt-Informationen haben drei saudische Unternehmen sowie eine Bank in Bahrain die Auflage von Bonds verschoben. "Die Verhandlungen waren weit gediehen, wurden dann aber aus Angst über einen Anstieg der Finanzierungskosten abgeblasen", sagte ein Spitzenbanker. So habe die Saudi Hollandi Bank in Riad eine Anleihe mit einem Volumen von 500 bis 700 Mio. Dollar auf Eis gelegt. Die Regierung von Dubai hatte am Mittwoch Abend die globalen Märkte mit der Bitte geschockt, die Schuldenzahlungen ihrer Staats-Holding Dubai World um sechs Monate zu strecken. Kurz darauf gingen die Zinssätze für Anleihen nach oben.

Transparenz ist oberstes Gebot

Experten befürchten zumindest kurzfristig negative Auswirkungen für die Region. "Tiefe und Dauer hängen davon ab, wie Dubai sein Schulden-Dilemma löst", sagte John Sfakianakis, Chef-Ökonom der Banque Saudi Fransi in Riad, dem Handelsblatt. "Internationale Investoren werden künftig verstärkt auf Transparenz und Öffnung der Bücher drängen, bevor sie einen Kreditvertrag unterschreiben." Das gelte auch für die Öl-Supermacht Saudi-Arabien und das Gas-Imperium Katar, die beide über hohe Auslandsvermögen verfügen. Selbst arabische Staatsfonds würden künftig von Anlegern genauer unter die Lupe genommen, unterstrichen Finanz-Fachleute. "Gläubiger werden bei Darlehen auf eine Staatsgarantie pochen", betonte ein Spitzenbanker.

Angesichts der günstigen Finanzierungsbedingungen auf dem internationalen Kapitalmarkt hatten immer mehr Staatsfonds Bonds aufgelegt. Zuletzt gaben der EADS-Partner Mubadala und der Ferrostahl-Mehrheitseigner IPIC aus dem ölreichen Emirat Abu Dhabi milliardenschwere Anleihen heraus. Der Staat Katar nahm sieben Milliarden Dollar auf. Die Rechnung der Investment-Gesellschaften war einfach: Da der erhoffte Gewinn durch die Investments deutlich über den zu zahlenden Zinsen lag, ergab sich daraus ein Netto-Geschäft. Diese Gleichung könnte zumindest zeitweilig einen Dämpfer bekommen.

Entspannung in Sicht

Auf mittlere Sicht rechnen Experten jedoch nicht mit einem Dubai-Malus für die Arabische Halbinsel. "Mit Blick auf die gewaltigen Rohstoff-Reserven und die üppige Finanzausstattung werden sich die Bondmärkte bald stabilisieren, die Zeichen stehen weiter auf Wirtschafts-Wachstum", sagte Ralph Nitzgen, General Manager der Commerzbank in Dubai, dem Handelsblatt. Auch bei amerikanischen Investoren stellt sich die Lage mittlerweile weniger dramatisch dar. "Was in Dubai passierte, blieb in Dubai", betonte der US-Milliardär Wilbur Ross.

An den arabischen Börsen ging die Talfahrt gestern dennoch weiter. Die Handelsplätze in Dubai und Abu Dhabi schlossen mit minus 5,61 bzw. 3,57 Prozent. In Katar sausten die Kurse mit 8,27 Prozent in den Keller, in Kuwait bröckelten die Aktien um 2,71 Prozent. Vor allem die Werte von Banken und Bau-Firmen kamen unter Druck. Experten werteten dies jedoch als kurzfristige Negativ-Ausschläge. "Im Windschatten der Dubai-Krise haben in erster Linie die Fonds internationaler Investoren verkauft", sagte Udo Schäberle von der BHF-Bank in Abu Dhabi dem Handelsblatt. "Wenn alle Plätze der Region in der nächsten Woche geöffnet sind, dürften sich die Märkte wieder beruhigen."

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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