Mit einem Bond über sechs Millionen Euro will der Bundesligist seinen Nachwuchs fördern
Hertha BSC geht mit einer „Fan-Anleihe“ an die Börse

Als erster Club in der Bundesliga-Geschichte wird der Berliner Traditionsverein Hertha BSC eine öffentliche Anleihe begeben. Wie das Handelsblatt aus Finanzkreisen erfuhr, hat der Bond in Höhe von sechs Millionen Euro eine Laufzeit bis zum 30.11.2010 und wird von der Berliner Volksbank vermarktet.

HB FRANKFURT/M. Der Fußball-Bundesligist Hertha BSC Berlin wird in Kürze als erster Bundesliga-Club der Geschichte eine öffentliche Anleihe in Höhe von sechs Mill. Euro emittieren. Ein entsprechender Antrag liege nach Informationen aus Finanzkreisen bereits der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungaufsicht (BaFin) zur Prüfung vor.

Bei der öffentlichen Anleihe handele es sich um 60 000 Inhaber- Schuldverschreibungen im Nennwert von je 100 Euro. Die Laufzeit des variabel verzinsten Papiers beträgt sechs Jahre. Die Verzinsung solle drei Prozent über dem Interbankenzins (Euribor) für sechs Monate und damit bei 5,2 Prozent liegen. Als Konsortialführer begleitet die Berliner Volksbank die Emission. Nach der Zeichnung Ende Januar 2005 soll die Anleihe im Freiverkehr der Börsen in Berlin/Bremen gelistet werden. Die Emissionseinnahmen sollen nach Auskunft von Hertha-BSC-Gechäftsführer Ingo Schiller in die Nachwuchsarbeit und die dafür erforderliche Infrastruktur, wie zum Beispiel in das Fußball-Internat und das Amateurstadion, fließen.

Angesichts des Emissionsvolumnens beurteilt Darwin Weber, Anleihenexperten und Asset-Manager der Frankfurter Bankgesellschaft, die Anleihe als spekulatives Investment. Mit dem Risikoaufschlag in Höhe von drei Prozent werde dem Bonitätsrisiko Rechnung getragen, das Hertha BSC hat, sagt Weber.

Da es sich bei der Anleihe um eine Inhaber-Schuldverschreibung handelt, sei sie vom wirtschaftlichen Erfolg von Hertha BSC stark abhänig.

Die Prüffrist für die Hertha-Anleihe laufe den Finanzkreisen zufolge bei der BAFin an diesem Freitag ab. Wie weiter zu erfahren war, dürfte es von Seiten der BaFin keine Einwände gegen die Hertha-Anleihe geben. Dabei hatte Bernd Schiphorst, Präsident von Herha BSC, noch auf der Mitgliederversammlung am vergangenen Montag eingeräumt, dass der Verein zwar für den Abbau seiner Bankschulden über eine langfristige Anleihe verhandele. Allerdings sagte Schiphorst, dass ein schnelles Ergebnis bei den Gesprächen nicht zu erwarten sei. „Wir haben uns viel Zeit genommen“, sagte der Vereinschef.

Mit Hertha BSC Berlin wurde in jüngster Vergangenheit immer wieder der Londoner Investmentbanker Stephen Schechter in Verbindung gebracht, der im vergangenen Jahr auch Bundesligist Schalke 04 zu einer Anleihe in Höhe von 85 Mill. Euro verhalf und zudem für eine Bond-Emission bei Borussia Dortmund im Gespräch war. Schechter hat bereits einigen englischen Clubs mit der Platzierung einer Anleihe aus finanziellen Turbulenzen geholfen.

Für den Anleihenexperten Weber von der Frankfurter Bankgesellschaft ist die Hertha-Anleihe ein klassischer „Fan-Bond“. Dafür spreche zum einen die „geringe Höhe“ der Emission und der Umstand, dass effektive Stücke verkauft würden. „Da hat der Hertha-Fan einen schönen Wandschmuck“.

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