Mittelstand
Nicht blind auf Anleihen verlassen

Mittelstandsprodukte sind verlockend, denn die Unternehmen müssen keine Sicherheiten stellen. Dennoch ist auf dem jungen Markt Vorsicht geboten: Erste Anleihepleiten gab es schon.
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Frankfurt, DüsseldorfAuf viele kleine und mittelgroße Unternehmen wirkt der Markt für Mittelstandsanleihen wie eine Verheißung: Dort gibt es Geld, für das sie anders als bei Bankkrediten keine Sicherheiten stellen müssen. Und sie kommen an das Geld unabhängig von ihrer Hausbank. „Damit haben einige Unternehmen einen möglichen Zugang zum Kapitalmarkt erhalten, den es vorher nicht gab. Das ist erst einmal positiv“, lobt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der Technischen Universität Darmstadt.

Einer, der das zu schätzen weiß, ist der Hemdenhersteller Eterna. Bis zu 35 Millionen Euro will Firmenchef Peter Rentsch aufnehmen. Etwa acht Prozent Zinsen wird er dafür zahlen. Bislang verlangten die Banken Zinsen in ähnlicher Höhe, sagt er dem Handelsblatt. Er rechnet aber damit, dass künftige Kredite für ihn teurer werden. Deswegen kommt er trotz der Emissionskosten mit der Anleihe günstiger weg - und macht sich zugleich unabhängiger von Banken und auch von Fonds.

Insgesamt haben Mittelständler drei Milliarden Euro solcher Anleihen ausgegeben, von denen 2,5 Milliarden Euro von Investoren gekauft wurden. „Besonders günstig ist der Markt für größere Unternehmen, die größere Anleihevolumen platzieren wollen“, sagt Schiereck. Auch Firmen mit bekannten Markennamen finden oft leichter Zugang zu den Anlegern.

Blind auf Anleihen verlassen sollten sich Mittelständler aber nicht. „Da der Markt jung ist, weiß man nicht, wie stabil er ist“, sagt Schiereck. „Ich würde Unternehmen raten, höchstens 25 Prozent ihres Fremdkapitalbedarfs über Mittelstandsanleihen zu decken“, sagt Rüdiger Rass, Bereichsleiter für Financial Engineering bei der Commerzbank. Niemand weiß, ob der Markt in einigen Jahren noch so gut läuft wie heute.

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