Mittelstand und seine Anleihen

Die große Pleitewelle rollt heran

Ärger im Mittelstand: Mit Golden Gate scheitert das erste Unternehmen an der Rückzahlung seiner Anleihe. Das ist erst der Anfang. Milliardenschwere Ausfälle stehen bevor. Anleger sollten genau hinschauen.
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Die Refinanzierungswelle könnte einige Mittelständler überrollen – und für Ausfälle bei den Anleihen sorgen.

Die Refinanzierungswelle könnte einige Mittelständler überrollen – und für Ausfälle bei den Anleihen sorgen.

DüsseldorfDer Name versprach Glanz und Glamour, doch der Weg führte direkt in die Insolvenz: Am vergangenen Donnerstag hat der Münchner Immobilienentwickler Golden Gate die Zahlungsunfähigkeit erklärt. Nichts neues, könnte man denken, schließlich ist es schon Anleihe Nummer 27, die im Segment der Mittelstandsbonds ausgefallen ist.

Doch gibt es eine Besonderheit: Bislang erreichte die Zahlungsunfähigkeit die Emittenten irgendwo „auf dem Weg“ – nach einem gescheiterten Geschäft oder, weil sie eine versprochene Kuponzahlung an ihre Gläubiger nicht leisten konnten. Golden Gate hatte dagegen Jahre bis zur endgültigen Tilgung seiner 30-Millionen-Euro-Anleihe durchgehalten – und erst kurz vor deren Fälligkeit beim Münchner Amtsgericht angeklopft.

Golden Gate ist damit der erste Emittent einer Mittelstandsanleihe, dem die Rückzahlung seines Minibonds das Genick gebrochen hat. Doch könnte diese spezielle Pleite Beginn einer neuen Serie sein. Derartige Fälle könnten sich in Zukunft häufen.

Das Mittelstandssegment gibt es noch nicht lange, erst seit 2010. Die Anleihe der Golden Gate GmbH war für eine kurze Dauer, für dreieinhalb Jahre, aufgelegt. Das Gros der Mittelstandsanleihen läuft jedoch länger – und wird erst in den kommenden Jahren fällig. 5,4 Milliarden Euro müssen deutsche Mittelständler bis 2018 aufbringen, um ihre Schulden abzulösen, hat die Ratingagentur Scope berechnet. Und sie sieht dabei „steigende Refinanzierungsrisiken.“

Es könnte also passieren, dass auch weitere Mittelständler Insolvenz anmelden, kurz bevor ihre Anleihe fällig wird. Im Zusammenhang mit der Refinanzierung rechnet Scope mit „weiteren Ausfällen“ im Segment der Minibonds. Eine Insolvenz ist dabei der allerletzte Ausweg für die Anleiheemittenten. Wer Gefahr sieht, dass zur Fälligkeit des Bonds Geld fehlen könnte, kann auch anders agieren. Anleger sollte genau hinschauen.

Beispiel Air Berlin: Die finanziell angeschlagene Fluglinie hatte ihren Gläubigern im Frühjahr einen Anleiheumtausch vorgeschlagen. Altgläubiger sollten Anleihen, die im November 2014 und 2015 ablaufen, gegen länger laufende Bonds mit schlechteren Konditionen tauschen.

Emittenten nehmen die Anleihen zurück
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18 Kommentare zu "Mittelstand und seine Anleihen: Die große Pleitewelle rollt heran"

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  • Wenn man mal genau hinschaut, wer sich in diesem Mittelstandsanleihenmarkt tummelt, dann ist dies nicht verwunderlich. Und man könnte fast denken, das dieser Mittelstandsanleihenmarkt nur wegen der sog. Erneuerbaren Energiebranche (Abzocker-EEG-Branche) eingerichtet.

  • Reine Panikmache. Wer pleite geht, ist in der Regel selber Schuld.
    Bei der Geldanlage Sicherheit vor Rendite ... da lässt es sich gut leben. Dazu noch die niedrige Inflationrate ... da kommt Freude auf. D ist u. bleibt ein Paradies!

  • @Herr Hans Maiser:

    Selbst wenn Mittelstandanleihen mit 6-8% verzinst werden (oft wohl eher 3-5%), dann muss man das gewaltige Risiko relativ zum Nullzins der EZB sehen.

    Unter nicht zinsmanipulierten Bedingungen müssten die Mittelständer weit über 10% zahlen.

    Erinnern Sie sich mal an die 90er und frühen 2000er!

  • "Ich würde mir das gut überlegen, ob diese Linie auf Dauer geschäftsfördernd ist."

    Ein ganz schmaler Grat,ganz-ganz dünnes Eis mein Lieber...

  • "Nun ist es futsch, vorbei der Traum vom großen und vor allem schnellen Geld"

    Ach wie schade,das ist aber eine traurige Geschichte :(

  • "Ob diese Fabeln Wirklichkeit werden werden wir sicherlich noch erleben"

    Auja, ich hätte dann gerne das Schneewittchen :)

  • "...China fängt an zu husten..."

    ist der Sack Reis umgefallen? War anscheinend sehr staubig.

  • In letzter Zeit scheint das HB bemüht zu sein, schlechte Stimmung zu machen, wie nur irgend möglich, gleich zu welchem Thema. Andere Medien sind da nicht auffällig.

    Ich würde mir das gut überlegen, ob diese Linie auf Dauer geschäftsfördernd ist.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Die AfD hat sicherlich Recht. Aber sie verbreitet ihre wissenschaftliche Thesen (anders kann man es nicht nennen) voellig unverstaendlich fuer die Masse der Bevoelkerung. Um Erfolg zu haben muss man mit dem Herzen und Worten der Masse sprechen.

    Viele Buerger haben berechtigt Angst um ihre Ersparnisse, ihre Altersversorgung und werden nur abgezockt, um diese Euro-EU am Leben zu erhalten. Hier braucht man einfache Parolen und keine volkswirtschaftlichen Abhandlungen.

    Alleine schon die Bezeichung AfD fuer die Partei zeigt viel Unfaehigkeit. Buergerpartei Deutschlands waere wesentlich besser gewesen - eine Partei, welche die Buergerinteressen vertritt und nicht wieder die Lobby-Interessen. Aber vielleicht ist die AfD auch nur eine andere, weitere Lobby-Partei und immer noch keine Buergerpartei. Das kam (begruendet?)noch nie so richtig durch.

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