Mittelstandsanleihe
German Pellets sagt Gläubigerversammlung ab

Anleihegläubiger des Brennstoffherstellers German Pellets können sich am Mittwoch den Weg nach Wismar sparen. Das Unternehmen hat die Gläubigerversammlung abgesagt. Den Anlegern bleibt wohl nur eine Handlungsmöglichkeit.

FrankfurtEinen Tag vor der geplanten Gläubigerversammlung hat der Brennstoffhersteller German Pellets das Treffen mit den Anleihegläubigern abgesagt. Dies bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber dem Handelsblatt, wollte aber keine näheren Angaben zu den Gründen machen. Nur so viel: Die Geschäftsleitung befinde sich aktuell noch in Gesprächen und werde später Genaueres mitteilen.

Vor zwei Wochen hatte das Unternehmen aus Wismar die Inhaber einer am 1. April fälligen Anleihe (WKN: A1H3J6) zu der Gläubigerversammlung eingeladen. Die Anleger sollten dabei einer Laufzeitverlängerung um zwei Jahre und einem Zinssatz von jährlich 5,25 statt bisher 7,25 Prozent zustimmen. Zugleich sollte die Anleihe durch 50 Prozent der Gesellschafteranteile an German Pellets erstrangig besichert werden - was das Unternehmen als „Aufwertung“ bewarb.

Dass bei German Pellets etwas nicht stimmt, ließ seit Mitte Januar bereits der Einbruch der Anleihekurse vermuten. Zum Jahresanfang stand die im April fällige Anleihe noch bei 96 Prozent, Ende Januar notierte sie bei knapp 17 Prozent und sackte bis zum Mittag an diesem Dienstag auf nur noch 2,6 Prozent ab. Am 25. Januar kam die Einladung zur Gläubigerversammlung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müsste jedem Gläubiger klar gewesen sein, dass sich das Unternehmen in Schwierigkeiten befindet. Am vergangenen Freitag folgte dann die Meldung, dass wegen der ungesicherten Refinanzierung der Anleihe auch der Verkauf von Genussrechten gestoppt werde.

Offenbar kämpft German Pellets kämpft ums Überleben. Damit drohen tausenden Anlegern, die Anleihen in Höhe von insgesamt 226 Millionen Euro gezeichnet haben, hohe Verluste bis hin zum Totalverlust. Ebenso müssen die Zeichner von Genussrechten in Höhe von 44 Millionen Euro um ihr Geld zittern.

Von der Schieflage sind indirekt auch die Gläubiger zweier mit German Pellets verbundener Produktionsstätten in den USA betroffen. Dort haben Investoren Bonds in Höhe von 546 Millionen Dollar gezeichnet. Insgesamt stehen beiderseits des Atlantiks damit umgerechnet rund 760 Millionen Euro Anlegergeld im Feuer.

Eine große Auswahl an Handlungsmöglichkeiten haben die Anleihegläubiger aktuell nicht. Nach Ansicht von Experten könnte jetzt der Verkauf der Anleihen trotz des niedrigen Zinssatzes noch sinnvoll sein. Das würde zwar einem Totalverlust nahekommen, doch die Anleger könnten diesen Verlust zumindest noch steuerlich absetzen. Nach Eintritt einer Zahlungsunfähigkeit ist das generell nicht mehr möglich.

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